Druckschrift 
Der morgenländische und abendländische Katholicismus mehr in seinem innerns wesentlichen als in seinem äussern Verhältnisse dargestellt
Seite
14
Einzelbild herunterladen
 

14

der Sünde knüpften. Indem man aber auf solche Weise deinVolk das sich Losmachen von der Sünde leicht machte, machteman ihm auch das Sündigen leicht, worauf denn jene FiscalischeSpeculation der Ablaßkramcrei und Verpachtung des Ertragsbasirt ward, welche zur Spaltung der abendländischen Kirche dieerste Veranlassung gab. So wie noch jetzt die große Menge derRomisch-Katholiken über die von Rom aus spcndirtcn Jndulgenzcnnicht anders denkt oder nichtdcnkt, als man zur Zeit des Aus-bruchs der Reformation darüber dachte oder nichtdachte, und selbees sich wohl gefallen last für so ein Leichtes als ihm der Ablaßvorschreibt, zu solch einem Ucbcrfluß und Surplus der Gnadcn-sülle zu gelangen und selbe in sein Credit (vor Gott und sein Ge-wissen) eintragen zu können.

Eigentlich liegt dem früheren Streit, sowohl der morgcnlan-dischen Kirche als spater der Protestanten mit der abendländischenrömischen Kirche über das Fegfcuer, die Behauptung der lcztcrnzum Grunde von ihrem ausschliesslichen Besitz eines sich an PctriStuhl forterbenden unerschöpflichen Gnadcnschazcs, von welchemdas Oberhaupt dieser Kirche auch noch für oder auch gegen dieAbgeschiedenen gleichsam als aus seinem Chatoulle-Gut zu disponircnhätte; so wie wenn man von dieser Voraussezung abstrahirt dieVerständigung über das Fegefeuer keine Schwierigkeit hat. Daman nämlich nicht umhin kann mit dem Begriff des Zeitlebens alssolchen oder der Vcrzcitlichung einer zu solcher nicht bestimmtenKreatur, jenen, entweder der Möglichkeit und Obliegenheit einerIntegration des Zeitlichen zum Ewigen, oder einer Purisicationals einer Tilgung dessen zu verbinden, was sich einer solchen Ent-zcirlichung widcrsezt, und eine solche Kreatur von ihrer Dcsintegri-rung aufhält hicmic aus der Ewigkeit heraushält da, sage ichauf solche Weise die Zeit als solche für eine Gnadcnzcit zu erken-nen ist*), so kann freilich nur mit dem völligen Austritt aus der

*) Ueber das wahre Verhalten der Zcitlichkcit zur Ewigkeit der-selben Dinge, hat sich Meister E ck ar t am bestimmtesten ausgesprochen,