4
Der dritte Zweck dieser Schrift ist endlich der, wenigst inder Perspektive zu zeigen welchen Aufschwung die Theologie alsdas Wissen der Menschen von göttlichen Dingen nehmen wird, sowie sie von der bisher über sie ausgeübten Dictatur und Zunft-zwang befreit scyn wird. Es wird nämlich in den Anmerkungendieser Schrift wenigst jenen Lesern denen meine frühem Schriftenbekannt sind, und die nicht als dunkle Leser ihre eigne Dunkelheitin alles was sie lesen hineintragen,, einleuchtend werden, daß nur,falls die Schristsorschung mit einer tiefern als der noch allein sichgeltend machenden blos historischen Naturforschung gleichen Schritthalt, beide sich einander auslegen. Eine Exegese von welcher derbei weitem größere Thcil unsrer Theologen noch keine Notiz ge-nommen hat, indem es bei ihnen als exegetische Regel gilt in dieSchristdoctrincn nichts von natürlichen Doctrincn in diese nichtsvon Jenen hineinzubringen. Sie kennen darum auch keinen Gottder nicht entweder unnatürlich oder unmenschlich ist, weil sie sichdie Uebernatur als naturlos, die Natur als übernaturlos denken.Sagt man aber daß unsre Theologie eben so wenig im Standeist den Defcct ihres Eindringens in die Tiefen der göttlichen Dinge(ohne welchem Eindringen keine Erweckung des religiösen Lebensstatt findet) hinter ihrem immer mehr sich anhäufenden historisch-philologisch kritischen Apparat zu verbergen — als die Physiologieoder Naturkunde ihr Nichtcindringen in die Tiefe und in dasWesen der Natur durch die sich wie Berge aufthürmendc Ergeb-nisse zu verbergen vermag, welche selbe als Bcobachtungs- undExpcrimcntirkunst gewinnt >— so meint man doch hicmit keines-wegs als ob beide diese Wissenschaften darum ihre historischen,graphischen und kritischen Forschungen einstellen, in selben nichtfortschreiten, d. i. durch ihr Eingehen in die Tiefe was sie seitlange als Ticfcscheu oder mysteriophob versäumten, ihr sich Aus-breiten in der Fläche aufgeben sollten.
München den 1. Julius 1840.