34
durch die Erschütterungen, die am Ende des 2. Jahrh. mit denMarkomannenkriegen unter Marcus einsetzen, einen starken Stoßerlitten und deshalb seien die Münzen von Marcus ab so selten 1 ).
Demgegenüber aber fiel es bald auf, daß der Import römischeroder provinzialrömischer Waren ins freie Germanien nach demMarkomannenkrieg keineswegs aufhört, ja gerade erst im aus-gehenden zweiten und im dritten Jahrhundert n. Chr. rechtbeginnt (abgesehen vom Küstengebiet der Nordsee, wo er schonfrüher blüht), und daß auch damals erst eine nachhaltige Be-einflussung der heimischen Industrie durch diese Importware ein-setzt 2 ), daß also der Handel in dieser Zeit keineswegs stockte.Daraus zog man dann den Schluß, daß jene Erschütterung viel-mehr den Handel erst begründet habe und daß die Mehrzahlder Münzen erst seit Ende des zweiten Jahrhunderts n. Chr.,im wesentlichen erst nach 200, ins freie Gebiet ein-geströmt seien. 3 ) Das Nachlassen der Münzziffern seit und
1) Diese Lehre bei Pallmann, Gesch. der Völkerwanderung 2, 99 f.,bes. S. 99 Anm. 2 am Schluß; sie wird im wesentlichen noch vertreten vonH a u b e r g , Aarböger 1894, 367 und Myntforhold i. Danmark 1900, 235,Schumann, Balt. Studien 46 (1896), 181, Blanche t, Tresors de monn.rom. en Gaule 1900, 68, ähnlich noch S e g e r , Schles. Vorzeit 7 (1899), 432(später anders, vgl. folgende Anm.) und Mertins, Wegweiser durch die Ur-gesch. Schlesiens 2. Aufl. 1906, 104.
2) Vgl. u. a. Almgren, Fibelformen 1897, 125 ff., Kiekebusch S. 66,Höfer, Korrespondenzblatt 1904, 76 f.,Fredrich S. 36f. und die dort S. 36 obennoch genannten Autoren; vgl. auch die Bemerkung von Dragendorff, Jahr-buch des freien deutschen Hochstifts 1910, 204.
3) Die Lehre angedeutet schon bei Hostmann, Urnenfriedhof vonDarzau 1874, 75 Anm. 1, begründet dann von Tischler, Kat. d. Berlinerpraehistor, Ausstellung 1880, 400 f., Das Gräberfeld von Oberhof, in den Schriftender physik.-ökonom. Gesellsch. 29 Sitzungsber. S. 18 f. (die Stelle abgedrucktbei Almgren, Fibelformen S. 80 f.) sowie bei F r i e d 1 a e n d e r, Sittengesch. Roms6. Aufl. 2, 278, und von Hildebrand, Solidus-importen til Sverige, in Franäldre tider 1882, 64, vgl. Vitterhets historie och antikvitets akademies Mänads-blad 1901/2, 41 ff. Sie wird in mancherlei Abarten vertreten neuerdings durch A1 m-gren, Fibelformen S. 79 ff. und in Svenska fornminnes föreningens tidskrift 11(1902), 193, Hackman, Eisenzeit in Finland S. 283/8, bes. 286/7, Beltz,Vorgesch. v. Mecklenburg 1899,140, Höfer, Korrespondenzbl. 1904, 74/8, P e i s e rebenda 1905,51, S e ge r ebenda 1907, 58 f. (der aber früher, Schlesiens Vorzeit 7,432,anders dachte, vgl. zweitvorige Anm.), Fredrich S.46u. 56, Kiekebusch S,22.