Druckschrift 
Mercantil-Memoiren aus der Türkei
Entstehung
Seite
91
Einzelbild herunterladen
 

91

Belgrad^) mit seiner verfallenen Citadelle, seiner türkischenBesatzung und seinen Ucberbleibsel der Eugens Brücke.

Die Uferbewohner dieser Länder, obwohl nur durch dieFlußbreite getrennt, sind sich in Folge dieser Absperrung so fremd,als wenn Meere zwischen ihnen lägen.

Sogar die Vegetation beider Ufer ist verschieden; in Ser-vier, und Bulgarien schöne Wälder, üppiges Grün; auf derlinken Seite unabsehbare Viehweiden, flaches monotones Ufer.

ES möchte wohl gerne ein Bewohner von Giurgevo dasgerade gegenüber liegende bedeutende Ruöciuk mit seinenvielen glänzenden Moscheen und leuchtenden Minarets besuchen,hier das Ey um 1 Para kaufen, also 40 Hühnereier für 1 Piasteroder 2 Sgr., ein Schaas um 3Va Piaster oder 7 Sgr. und dieherrlichen unvergleichlich schönen großen und vollen Ananas-Trauben! diese Pracht von Melonen! alle diese auserlesenen bul-garischen Gemüse und Federvieh in Fülle! Aber 10 TageQuarantäne! hinter Schloß und Riegel zu sitzen zwischen vieröden Mauern! und wenn während dieser Zeit sich in nur einemOrte von Bulgarien die Pest zeigen möchte, dann gezwungenzu seyn, die volle Quarantäne - Frist zu halten! oder wenn gardie Pest in der Quarantäne selbst sich zeigte?! oder wenn Feuerin der Quarantaine ausbricht?!

Die Wachen lassen Niemanden hinaus, also entweder ver-brennen oder sich todt schießen lassen, das wäre für einen sol-chen Fall die traurige Wahl! — Von einem Donau-Ufer zumandern zu gehen ist immer eine Sache, die nur durch die drin-gendste Nothwendigkeit herbeigeführt werden kann.

*) Zu commerzieller Hinsicht wichtig durch seinen schon seitJahrhunderten bestandenen Transit-Handel. Von hier ausfournirten sich auch meist die inneren Städte Serbiens, na-mentlich die Hauptstadt Krajuschewatsch. LuxuS-Artikelsind in Serbien noch nicht gesucht, wohl aber alle Artikel derNothwendigkeit zum Ackerbau, zur Kleidung und zu Woh-nungen-