ist es aber doch äußerst schwer, die Orte zu be-stimmen, wo dieses oder jenes Gebäude in dem altenJerusalem gestanden hat, da wohl keine Stadt derErde in dem Lauf der Jahrtausende solche Verän-derungen erlitten hat, wie sie, so daß der Schuttder Zerstörungen überall den Boden bedeckt. Dazusind die leichtgläubigen Pilger bei ihrem frommenWunsche, die h. Orte kennen zu lernen und dortzu beten, von gewinnsüchtigen Betrügern oft getäuschtworden und besonders, da fast jeder Ort h. An-denkens eine Zollstätte des Ablasses ist. Um nureinzelne Beispiele anzugeben, wie weit die Leichtgläu-bigkeit solcher Leute, die leider auch die Bibel nichtkennen, getäuscht worden ist, so zeigt man da nochdie Häuser des reichen Mannes und des armen La-zarus; ferner in einer Mauer einen Stein, worinein Maul ausgehaucn ist, von dem man sagt, erhabe einst geschrieen, als der Herr geredet: „Wodiese schweigen, so werden die Steine schreien"(Luc. 19, 49); ferner die Stätte, „da St. Johannes,der Evangelist, unsrer lieben Frauen 14 Jahre langtäglich Messe thät"; ferner einen großen Stein, dernirgends sich zum Bau in Salomo's Tempel habefügen wollen, der bald zu groß, bald zu klein warund welcher der Stein gewesen sei, den die Bauleuteverworfen (Ps. 118, 22); ferner einen Eindruck ineiner Mauer, der dadurch entstanden sein soll, daßChristus auf dem Wege nach Golgatha unter derLast des Kreuzes umsinkend, mit der Schulter Sichdort angelehnt habe, und dergl. mehr. Und sindauch gerade die Verstoße gegen die Schrift und dengesunden Menschenverstand nicht immer so. grob, soist doch gewiß schwer auszumittcln, ob denn wirklichdie Begebenheiten an den Orten geschehen sind, dieman jetzt dafür hält, was denn auch freilich imGrunde nicht von so großer Wichtigkeit ist.
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Jerusalem, wie es war und wie es ist, oder seine Geschichte und sein jetziger Zustand : nebst e. Grundr. von Jerusalem
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