Druckschrift 
Jerusalem, wie es war und wie es ist, oder seine Geschichte und sein jetziger Zustand : nebst e. Grundr. von Jerusalem
Entstehung
Seite
40
Einzelbild herunterladen
 

den dürstigen Landpflegcr Florus. Dieser Hohnentflammte seinen Zorn, er ließ einen Theil derStadt plündern und Alles niederstoßen, was ihmin den Weg trat, so daß 3600 Menschen in diesemallgemeinen Blutbade, wo man selbst der Säuglingenicht schonte, umkamen. Indeß griffen die Judenauch zu den Waffen und besetzten die Burg Antonia,so daß Florus, nachdem er vergeblich sie wieder zuerobern versucht hatte, abziehen mußte. Vergebenswar es, daß der König Agrippa, der gerade in derStadt war, dem Volke zum Frieden ricth, indemer' sie auf die große Macht der Römer verwies, ge-gen die jeder Widerstand für die Dauer vergeblichsein würde. Ein fanatischer Jüngling Eleazar,Sohn des Hohepriesters, hatte den Tempel besetztund beschloß mit seiner Parthei, die sich Zeloten,Eiferer um das Gesetz, nannten, keine Gaben undOpfer von Auslandern mehr im Tempel anzuneh-men. Das war denn die Kriegserklärung gegen denKaiser, wodurch man den Abfall von ihm förmlichaussprach, indem man damit auch des Kaisers Opfer,das er für das jüdische Volk thun ließ, als unzu-läßig erklärte. Die Vornehmen, die mit den Hohe-priestern zur gemäßigten Parthei gehörten, riefen, alssie durch gute Worte den Ausbruch des Krieges nichtmehr zurückhalten zu können sahen, die Truppen desFlorus und des Agrippa herbei. Ein furchtbarerKampf entspann sich 7 Tage hindurch in der Stadt,worin die Aufrührer siegten. Sie verbrannten diePalläste des Hohenpriesters Ananias, des Agrippaund der Berenice und mit dem Archive zugleich auchdie dort deponirten Schuldverschreibungen. DenRömern schwur Eleazar mit seinem Anhange freienAbzug, aber als sie die Waffen niederlegten, wurdensie trotz des feierlich bcschwornen Vertrags Alle nie-dergemetzelt.