Es darf für den preußischen Staat als eine der günstigstenFügungen betrachtet werden, daß an der Spitze desselben in so ver-hängnisvoller Zeit, in der König Karl Gustav von Schweden imNorden und Ludwig XIV. im Westen und Süden von Europa ihreehrgeizigen Absichten hegten, ein Fürst stand, der zu den trefflichstenFeldherren seiner Zeit gehörte und trotz kriegerischer Empfindungendie Wohlthaten des Friedens doch voll zu würdigen verstand.
Im Jahre 1648 gebar Luise Henriette dem Kurfürsten denersten Sohn, den sie nach dem Gatten und Vater Wilhelm Heinrichnannte. In diesem, durch den westfälischen Frieden beglückten Jahrelebte sie ihre schönsten Tage.
In Kleve wurde sie von den Ihrigen aus dein nur zwanzigMeilen entfernten Haag öfter besucht. Zur großen Betrübnis allerstarb aber das Kind schon im nächsten Jahre in Wesel, und esdürfte die Annahme zutreffen, daß die tiefgebeugte Mutter eben damalszu ihrem und ihres Gatten Trost und Aufrichtung das glaubens-volle Lied dichtete und sang:
„Jesus, meine Zuversicht
Und mein Heiland, ist im Leben!"
Sinnig und hübsch wird über den Ursprung dieses Liedes be-richtet : Es war in den Morgenstunden eines freundlichen Herbsttages,als sich der Kurfürst nach den Gemächern seiner Gemahlin begab.An der Thüre ihres Zimmers hielt er plötzlich an; es war ihm,als hörte er reden. Wirklich sprach auch die Kurfürstin ziemlichlaut, aber mit Gott; sie betete in so herzlichem Tone, daß der Kur-fürst nicht den Muth hatte, durch seineu Eintritt das Gebet derfrommen Gattin zu stören. Gespannt lauschte er, um die Worteeines gläubigen Herzens auch in seine Seele aufzunehmen. Nachdemdie Kurfürstin geendet, trat er ein, zog sie an seine Brust und sprach:„Luise, ich danke Dir, daß Du auch für mich gebetet hast. Es maglange her sein, daß ich für mich selbst nicht so innig und herzlichmit Gott geredet habe."
Nach mancherlei Gesprächen ging er im Zimmer auf und ab.Dabei kam er zum Schreibpulte der Gemahlin, auf dem er einmit Versen beschriebenes Blättchen sah. „Was ist das?" fragte