Druckschrift 
Das Schicksal der im Jahre 1794 über den Rhein geflüchteten Werthgegenstände des Cölner Domes, insbesondere die Zurückführung der Manuscripten-Bibliothek : aktenmäßige Denkschrift
Entstehung
Seite
2
Einzelbild herunterladen
 

2

mit panischem Schrecken erfüllte, und am ganzen Rheine dieFlucht aller werthvolleren Habe anf das andere Ufer begann.So auch am Dome.In Rücksicht auf die Coburgsche Prokla-mation, so berichtet noch im Jahre 179S der damalige Dom-kiister Hamboch anf Nachfrage der französischen Verwaltungüber das Zurückgebliebene,ist vor Eintritt der französischenArmeen das vorräthige Silber und Pretiosen nach Arnsbergoder Prag mit den Urkunden und Archiv hingebracht worden.So unsicher und schwankend diese Angabe schon war, so un-gewiss ist alsbald nach der Flucht in Cöln Alles geworden, wasauf den Transport und Verbleib der Domschätze Bezug hat.Als Coburgs Nachfolger Clairfait das rheinische Land schutz-los hinter sich gelassen hatte, und der ihm auf dem Fusse nach-folgende, obwohl damals keineswegs überlegene, noch am 2. Oc-tober bei Jülich in respektvolle Entfernung zurückgewieseneFeind am Abende des G. October auf volle 20 Jahre in dieMauern der Reichsstadt einzog, mussten sofort auch alle Nach-richten über das, was in angestrengtester Eile zur Rettung derDomschätze geschehen war, gänzlich schweigen. Ohnediess hattedie dabei aus begreiflichen Ursachen beobachtete Vorsicht nurdiejenigen genauer davon wissen lassen, deren Mitwirkung un-entbehrlich gewesen war. Das Publikum erfuhr nur im All-gemeinen, dass umfassende Sendungen in das kurkölnische Iler-zögtlmm Westfalen nach Arnsberg gingen, wo die Främonstra-tenserabtei Wcdingliausen zur Zufluchtsstätte des Domcapitolserwählt war; bald aber auch, dass von dort nach massenhafterAnhäufung aus anderen linksrheinischen Anstalten die weitereAbfuhr angeordnet, und in den verschiedensten Richtungen, nachFrankfurt, Bamberg und Prag, nach Cassel, Paderborn undSoest die. Flucht fortgesetzt wurde. Grösser noch und pein-licher war die Ungewissheit, welche Gegenstände es waren,welche auf diesem Wege dem Raube entgangen sein sollten.Wie sich nachträglich herausstellt, war zwar das Domcapitoldabei in sorgsam formeller Weise verfahren, und wurden übersämmtliclie Verpackungen, die in fest verschlossenen und ver-siegelten Verschlügen vereinigt wurden, spezielle Inventarionaufgenommen: aber diese gingen selbstverständlich mit auf die