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Die politischen Parteien der Rheinprovinz : in ihrem Verhältniß zur preußischen Verfassung
Entstehung
Seite
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Ausführung, Die große Verschiedenheit seiner Provinzen fordertzwar, wie jener Referent ganz richtig bemerkt, keine Centralisation aber sie fordert dringend eine organische Verstärkung der Ceu-tralgcwalt, Sie fordert, daß die Einheit des Reiches feste undsprossende Wurzeln in den Herzen der Bürger gewinne. Man denkesich die Ehrfurcht vor der Persönlichkeit des Königs noch so sehrgesteigert, so sind doch die Zeiten vorüber, wo überhaupt ein per-sönliches Gefühl den Staat zusammenhalten konnte'). Sonst be-trachtete man den König als Haupt des Staates, weil ihm ausverschiedenen Gründen alle Einzelnen Treue schuldig waren; jetztfühlt man umgekehrt sich ihm zu Gehorsam und Achtung verpflich-tet, weil er vor allen Andern den Staat vertritt. Hat der Staatin sich selbst keine innere Konsistenz, so kann der Thron, der sich «erst ans dieselbe stützen soll, sie ihm nicht ersetzen. So wie jetzt dieDinge stehn, ist in friedlichen Zeiten wohl sehr wenig zu besorgen,wer aber möchte das Unheil für Preußen und Deutschland ermessen,wenn bei dem ersten Kriegsnnfall, alles Schlimmeren zu geschweige»,in den Rheinlanden nur ein passives Verhalten anzutreffen wäre?

Ein natürliches Wurzeln und Wachsen der Negierung im Bo-den des Landes, wie es überall wünschenswerth und unter diesenUmständen unerläßlich ist, scheint also nur dann zu erwarten, wennsie sich entschließt, mit einer im Lande mächtigen Partei ein offenes,gründliches und praktisches Bündniß einzngehn. Daß die Fcndal-partci dazu wohl kräftig geuug, aber nach allen andern Rücksichteneine Verbindung mit ihr ein Selbstmord von Seiten des Staateswäre, leuchtet ein. Sie selbst eristirt als Partei nur vermöge derAbneigung gegen jedes Bündniß dieser Art, welches die BefestigungdeS StaatSganzcn zum Zwecke hätte.

') Das war möglich, so lange wirkliche persönliche Bande die Ein-zelnen an das Staatsoberhaupt knüpften, so lange dieser nicht bloß derSouverai» des Ganzen, sondern der Lehns-, Schutz- oder Grundherrder Individuen war. Da konnte die persönliche Treue des Vasallen alspolitisches Moment in Anschlag kommen. Jetzt hat sie ihre Grundlageverloren. Daß sie übrigens niemals besondern Werth gehabt, zeigt derAusgang des mittelalterlichen Feudalsiaats. Bei aller gegenseitigen Treuefind die Vasallen doch dem Souvcrain über den Kopf gewachsen oder vonihm vernichtet worden.