Druckschrift 
Die politischen Parteien der Rheinprovinz : in ihrem Verhältniß zur preußischen Verfassung
Entstehung
Seite
57
Einzelbild herunterladen
 

57

setzen, sie hat das Begehren nach Abschaffung der Censur aufrein politische Grunde gestützt, und unter diese mit Recht dieeinfache Bemerkung aufgenommen, daß unter den bestehenden kirch-lichen Zerwürfnissen der Staat selbst mit der Censur aller Ortenzu kurz komme. Sie ist ferner, und das ist nicht minder wichtig,die tiefste Gegnerin dcö UltramontaniSmuS, und besteht zumgroßen Theile ans Protestanten , aber weil sie nicht in andächtigemsondern in politischem Sinne verfuhr, ist sie im Stande gewesen,äußere Angelegenheiten der katholischen Kirche mit ergiebiger Ruhezu behandeln. Die Fragen über die Anstellung katholischer Mili-tairgeistlichcn, über die katholische Scclsorge bei der Armee, überdie Anstellung eines katholischen Philosophen in Bonn, sind, zumTheil auf den Vortrag protestantischer Referenten, fast mit Ein-stimmigkeit in günstigem Sinne entschieden worden. Von irgendwelchen Wünschen in Bezug auf das Innere der Kirche ließ dieseMajorität keine Spur erkennen, sie war zufrieden die Rechtsfragezu prüfen und zu erledigen. Gegen eine Verfassung also, die ganzoffenbar eben dieser Partei eine verstärkte Stellung verleihen würde,den Argwohn zu richten, sie bedrohe insbesondere die katholischeKirche, wäre für den Katholiken als Religiösen der Gipfel derLächerlichkeit. Bei der Luxemburger Zeitung freilich und ihren Ge-nossen, bei den Ultramontancn oder Feudalen, begreift es sich.Denn daß diesen zwar der Protestantismus verhaßt ist, wissen wir,aber ebenso, daß es ihnen noch weniger auf den Inhalt als ansdie Herrschaft der Religion über den Staat ankommt. In diesemSinne pcrhorrcscircn sie die angegebene Gesinnung der konstitutio-nellen und die von denselben geforderte religiöse Indifferenz dcSStaates noch viel gründlicher als irgend eine specifisch protestantischeaber immer religiöse Politik. Mit der letztem fühlen sie sich immernoch verwandter als mit der erstem, hier finden sie sich in einemhäuslichen Zwiste, dort in cincm Kampfe um die Existenz.

Von dem Referate können wir hiermit Abschied nehmen. ESmacht zwar noch manche Anstrengungen, auf dem steinigen Ackerder politischen Theorie zu arbeiten, aber seine Schülcrmäßigkeit nachForm und Inhalt ist zu auffallend, als daß nicht jede weitere Er-örterung darüber zwecklos wäre.

Die Haltung der konstitutionellen Partei in der Frage wardurch die von den Gegnern eingenommene Stellung von selbst