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Ergötzlich erscheint bei ihr gleich der Umstand, daß, wenn ein solcherEhrgeiz nntcr den Protestanten criftirte, ihm die Provinzialverfassnngnur erwünscht sein konnte, da nntcr den 8 Provinzen höchstens dreieine katholische Majorität ausweisen, während ans einem Reichstage')daö Verhältniß der Katholiken doch vermuthlich wie fünf zu achtstehen würde. Aber das völlig Komische des Argwohns, wenn manvon den verborgenen Nachgcdanken der Partei absieht, liegt darin, daßdie Verdächtigung eben gegen die konstitutionelle Tendenz gerichtetwird. Wenn ein protestantischer Bckcnncr dcS „christlichen Staates"von den Mitgliedern der katholischen Confcssion in dein angegebnenSinne gefürchtet wird, so ist da wenigstens Konsequenz und Zu-sammenhang. Denn ein solcher will den ganzen Staat mit reli-giöser Begeisterung erfüllen, und die Kräfte desselben in den Dienstder religiösen Wahrheit stellen. Man kann also, ehe er sich überdeir Umfang seiner Toleranz ausdrücklich erklärt hat, in Sorge sein,ob er nicht einzig seinen Protestantismus für religiöse Wahrheithalte, und demnach auch gegen die Katholiken die Mittel des christ-lichen Staates richten werde. Daß aber die konstitutionelle Parteimit diesen: Standpunkte in ganz Deutschland nichts zu schaffen hat,ist klarer als der Tag. Sie ist erfüllt mit dem Bewnßtscin, daßder Staat als solcher nur nach den: Maaßstabc des Rechtes zuhandeln und die Religion mir insoweit in Betracht zu nehmen hat,als sie mit diesen: in Berührung kommt. Wie die Partei diesaller Orten in Deutschland bekundet, so hat sie es auch auf demrheinischen Landtage bei den verschiedensten Anlässen bewiesen, unddamit auch den Vorwnrf widerlegt, daß eine solche Gesinnung dcSStaates überhaupt alle kirchliche Blüthe bcnachtheiligcn würde.
Sie hat bei der Behandlung kirchlicher Fragen keine Spur vonheiliger Begeisterung oder religiöser Empfindlichkeit gezeigt. Dadurchist es möglich geworden, allein alle religiösen Herausforderun-gen der Ultramontancn durch einfaches Uebcrsehen und Jgnorircnabzuweisen, und so den Hader der Konfessionen ans den Verhand-lungen fern zn halten. Sie hat sich gehütet, „den: ultramontancnGlaubensbekenntnis" welches ein Feudaler in Sachen der Prcßfrei-hcit ablegte, ein protestantisches oder rationalistisches cntgegcnzu-
') Wie sich von selbst versteht, anfeinem Reichstage im constitutionel-len Sinne.