der Kirche cm ketzerische Fürsten gegeben — er hatte die Jesuitenhergestellt und gegen die Wiener Beschlüsse protestirt. — Beideszusammen bezeichnete deutlich genug den Anspruch auf Fortdauerder mittelalterlichen Kirche, und stellte jenen Norkämpftrn das Zielihrer Bestrebungen vor Augen. Daneben war die Curie im Ein-zelnen schmiegsamer, schloß mit jenen Ketzerfürsten Concvrdatc überdie ans den llnglückszciten erretteten Ueberreste, und ließ sich da-durch in pi-axi auf die modernen Ansichten über Staat und Kircheein. Zwischen diesen beiden Methoden, Anschmiegen an die mo-derne Wirklichkeit und Anpreisen mittelalterlicher Grundsätze, hatsich die nltramontane Partei seitdem fortdauernd bewegt.
Es kommt, wenn man ihre Tendenzen näher beschreiben will,ursprünglich gar nicht ans das Verhältniß des Papstes zu den übri-gen Kirchengcwalten an ^). Jemand ist nicht deshalb ultramontan,weil er den Papst für den unbeschränkten Monarchen und die Quellealler Gewalt in der Kirche, die Bischöfe aber oder Priester ihmgegenüber mir für dienende Werkzeuge hält. Derartige Fragen sindHaussachc der Kirche, die Entscheidung darüber kann an sich nochkeine feste politische Partei eonstitniren. Daß die politische Partei,der wir diesen Namen beilegen, eben jene kirchliche Machtvollkommen-heit deS PapstcS behauptet, ist nur die Folge des historischen Um-standcs, daß nicht die Gemeinden oder die Priester oder die Bischöfe,sondern eben die Päpste das politische System der Partei in dasLeben gerufen und mehrere Jahrhunderte hindurch vertreten haben.Dies System bezieht sich nicht auf das Innere der Kirche, aufDogma, Cultus oder Disciplin, sondern auf das Verhältniß derKirche zum Staate. Es bezweckt die Unterwerfung des Staatesunter die Kirche, die Beherrschung desselben durch die Kirche undvermittelst der Kirche, und somit, da es zum nothwendigen Wesendes Staates gehört, souverain zu sein, die Auflösung und Vernich-tung deS Staates zu Gunsten der Kirche.
') Ich habe hier und auf den zunächst folgenden Blättern mich häufiga» den Gedankengang, zuweilen an die Worte Rohmers in der „Meünnngsänsternng eines Conservativen" angeschlossen. Manches von dem,was er vorbringt, kann nach meinem Dafürhalten gar nicht besser gesagtwerden. Leider scheint das Heft nicht in den Buchhandel gekommen undso der weitern Oeffentlichkeit entzogen worden zu sein.