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Wie ist es möglich, fragte man, daß die Menschen sich immerwieder, meist für gänzlich fremde Zwecke, in die militärische Zwangs-jacke stecken ließen? Tief beschämend und empörend sei das fürden Freund des Vaterlandes und der Menschheit. In ganzenBänden ist die Entrüstung darüber niedergelegt worden, daßTaufende deutscher Landeskinder für fremden Dienst geliefert wordensind. — Es hat eben zu allen Zeiten Menschen gegeben, welcheLust nach Veränderung, Unwissenheit, Leichtgläubigkeit, Hoffnungauf Gewinn den Werbern in die Hände getrieben haben; zu allenZeiten Menschen, die durch Gewohnheit, durch die Rothwendigkeitdes Erwerbs veranlaßt worden sind, ihre Freiheit, ihre Gesundheitin die Oede der Fabriken, in die dumpfen Gänge eines Bergwerkszu verkaufen. — Politische Erwägungen, patriotische Gefühle, dasalles war für Fürst und Volk erst Sache des Erziehungswerks inden kommenden Jahrzehnten, im kommenden Jahrhundert.
In der üblichen Weise durchlief Herwarth von Bittenfeld diehöheren Chargen. Er blieb stets in dem Regiment, mit dem eraus Württemberg nach Preußen übergetreten war, dem er vorvierzig Jahren in Ungarn und Sizilien als Fähnrich angehörthatte; 1757 wurde er Oberst und Kommandeur des Regiments.Im wesentlichen bestand die Truppe immer noch aus Württem-bergern. — Bald nach dem Einmarsch in Wesel, am 25. Aug. 1742,hatte Friedrich II. das Regiment gemustert, um sich von seinenFortschritten in der eigenthümlich preußischen Ausbildung zu über-zeugen;^) ein Jahrzehnt später kam das Regiment nach Blinden,von wo es im Sommer 1756 nach Sachsen ausmarschierte. Dasdarauf folgende Frühjahr zwang Friedrich den Großen, alle seineKräfte zusammen zu raffen und am den böhmischen Kriegsschau-platz zu werfen. Es war der verhängnißvolle 18. Juni 1757.Bei Kolin stand die preußische Armee, in Eile aufmarschiert,gegen österreichische Uebermacht; an der Spitze seines Regimentsder Oberst Herwarth von Bittenfeld. Der Sturm auf dieStellung der Oesterreicher beginnt; eine Kartätschenkugel schlügtden Oberst nieder, die Reste des Regiments strömen zurück. DerSturm ist abgeschlagen, die Schlacht verloren. Mit dem Oberst
2°) Gesch. des kgl. preuß. Füsilier-Rgts- v. Lossow zc. S. 15 ff.