Die persönlichen Schicksale unseres Fähnrich Herwarth sindfür die Folgezeit eng verknüpft mit den, Gang des Krieges inUngarn und Sicilien, mit den Geschicken des Regiments Alt-Württembergs) — Nach langer Donaufahrt war die Truppe inUngarn gelandet; ihre Feuertaufe erhielt sie in der Schlacht beiPeterwardein, darauf folgten die Belagerungen von Teinesvar undBelgrad. Der Friede mit den Türken machte hier dem Kriegein Ende. Allein der weitgedchnte, leicht verwundbare Körperdes Oesterreichischen Staates sah sich in eben diesen Tagen durchdie Spanier in seinen entlegensten Besitzungen, in Sicilien ange-griffen. So erhielten denn die Truppen aus den soeben erstürmtenWällen von Belgrad die Aufgabe, durch das Alpenland und Ober-italien nach Neapel zu marschieren, um nach Sicilien eingeschifftzu werden. Die blutige Schlacht bei Francavilla am Fuße desÄtna bleibt der zähen Ausdauer der Spanier und ihrer LandS-knechtsvölker, den Wallonen und Jrländern gegenüber unentschieden.Allein die Einnahme von Messina und Palermo zwingt endlich dieSpanier zum Frieden. — Das Württembergische Regiment kehrt1721 in die Heimath zurück und sieht sich in ein herzoglichesLeibregiment umgewandelt.
Bon den Offizieren des Regiments, namentlich vom Obersten,besitzen mir eine große Anzahl von Berichten und Briefen;Berichte meist dienstlichen Inhalts, aber auch Schreiben privaterNatur. Denn das Regiment stand in ununterbrochenem Berkehrmit der Heimath. Alle wichtigen Entscheidungen blieben demEntschlüsse des Herzogs vorbehalten. Ein Brief von Belgradnach Stuttgart brauchte freilich achtzehn Tage, von Sicilien ausgar sechs Wochen. Noch viel länger aber waren die Rekruteu-transporte unterwegs, welche sich den Weg suchten vom Herzogthnmbis nach Teinesvar und Palermo.
Bon unserem Junker Herwarth ist uns nur ein einzigerBrief erhalten aus dem Feldlager von Teinesvar am
-ff Berichte des Regimentskommandeurs und Briefe anderer Offizieredes Regiments nebst Verfügungen des Herzogs im K- Haus- und Staats-archiv Stuttgart; Kabinetsakten Mit. Vgl- Pfister, Denkwürdigkeiten ausder Württ- Kriegsgeschichte. Stuttgart 1868. S. 31—189 und Beiheft 5 u. 6zum Mil.-Wochenbl, 1885.