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Ss, gegen das Ideal gehalten, klein und ärmlich, weil ich nichtmit gesunder, thätiger Kraft das Ziel umfassen kann. Vater imHimmel! Dankgefühl sollte mein erstes Gefühl sein, was heuteaus meinem Herzen sich hervordrängtc, und dennoch ringt sichschon die Bitte um kräftige Gesundheit hervor, und ich zweiflenicht, sie wird erhört und, Wenn's gut für mich ist, gewährtwerden. Sonst, Vater, gieb mir Kraft und stärke meinen Glau-ben an deine Vaterliebe, um als Christin zu tragen und zu dulden.
Viel Glück, viel Gutes hat Gott mir bescheert, viel mirgewährt, was zu meines Lebens Glück beiträgt. Ich habe derWohlthaten unzählige genossen und genieße sie noch, die Tausendeentbehren müssen. Feuriger, inniger Dank sei ihm, dein Geber,gebracht dafür!
Was ich thun kann, um Freude und Glück um mich herumzu vermehren, das soll geschehen. Gott segne dieses Wollen!
Alle Fragen, die sich mir am heutigen Tage aufdrängenund die ich nicht zu beantworten vermag, will ich vertrauensvolldem Lenker der Schicksale anheimstellen. Wie er sie in der Folgebeantworten wird, so wird's gut sein. Ist es Dein Wille, Vater,daß ich allein durch's Leben gehen soll, so erhalte mich wach, daßich mich immer mehr selbst erkenne, um mich vor den Fehlern zuhüten, die alten Jungfrauen gewöhnlich eigen sind, und wodurchsie sich bei ihren Nebenmenichcn verhaßt machen.
Den 21. Juli 1830.
2. An meine Lieben alle!
Hierbei erhaltet Ihr meinen letzten und liebevollsten Gruß!In ein paar Monaten werde ich 77 Jahre alt. Da ist es dochwol Zeit, sich auf den Tod vorzubereiten, wie auch die irdischenAngelegenheiten in Ordnung zu bringen. Da ich nun hierfürkein Geld an einen Juristen ausgeben kann, so wünsche ich, daßIhr Lieben alle diese meine Verfügung als ein giltiges Testamentbetrachtet. (Folgen die Verfügungen über ihren Nachlaß.)
Ich habe Euch Alle, Ihr Nachkommen von meinen Brüdern,recht lieb gehabt, Euch Alle schon als Kinder auf meinemArm getragen und in meinem Herzen aufgenommen, und hoffe,auch Ihr werdet mir ein liebevolles Andenken bewahren. So,wie ich hoffe, daß Gott mir gnädig sein wird, und meine voran-gegangenen Lieben mich freundlich aufnehmen werden, so hoffeich, auch Euch liebevoll dereinst entgegenzukommen. — O ver-nehmet und beherzigt meine letzte Bitte an Euch, liebe Vetternund liebe Nichten Alle: Habet immer Gott vor Augen und imHerzen und hütet Euch, daß Ihr in keine Sünde willigt oderthut wider Gottes Gebot, sondern thut nach seinem Wohlgefallen!