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Chronik der Familie Langewiesche
Entstehung
Seite
41
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daß dcr die Großmutter in ihrer biederen, herzlichen Weisekennen lernen sollte. Und Freiligrath hat sich denn auchrecht an ihr erfreut und nachher geäußert, das Herz sei ihmwarm dabei geworden, als die Großmutter, nachdem sie denTisch mit Erfrischungen reich besetzt — unsere Mutter warzu ihrer Mutter nach dem Brunnen — so treuherzig in ihremgemütlichen, anheimelnden Platt gesagt: „So, und nun müssenSie thun, als wenn Sie zu Haus wären!" Dann fand ichspäter — oder hat's Onkel Wilhelm mir gezeigt?—in einemGedicht, welches Freiligrath über Westfalenart geinacht, her-vorgehoben, wie es wohl thue, wenn man in ein so altesWestfalenhaus eintrete, mit festem Händedruck empfangenwürde, und es dann nachher so herzlich hieße: ,So, nun iß,als sei's dein Eigen? Dabei hat er an Großmutter's Weisegedacht, wie er dem Onkel bekundet. Die Großmntter hatteschöne, blaue Augen und deren Blick ist mir unvergessen. -In meinem Besitz ist ein uralter Lehnstuhl, den ihre Kinderihr vor mehr als scchszig Jahren zu Weihnachten geschenkt.Dazu hatte unser Onkel Wilhelm das hier folgende Gcdichtchcn

""faßt: «iebe Mutter!

Nimm von Deinen Kindern allenDiesen Stuhl als Christbescherung,

Nimm es an mit WohlgefallenDieses Zeichen dcr Verehrung.

Hattest an des Lebens Morgen,

Hattest in des Mittags SchwüleViele Mühen, viele Sorgen,

Aber auch dcr Freuden viele.

Alles trugst Du ohne Beben,

Ohne Klagen, ohne Bangen,

Und mit frohem Mut zum LebenBist Du stets hervorgegangen.

Doch des Tages Last und HitzeHast Du nun genug getragen,

Hier auf diesem RuhesitzeRuhe aus von allen Plagen.