1-16 II. Das Geschlecht des Dichters Goethe.
hatte lange nach ihm geschmachtet. Er traf zuerst den Vaterallein, den seine mannigfachen lebendigen Erzählungen äußerstanzogen. Mitte Januar 1774 traf die älteste Tochter derFrau v. Laroche mit dem ihr eben angetrauten Gatten, demKaufmann Brentano, von der Mutter begleitet, in Frankfurtein. Aber der von der Vermehrung der Gesellschaft durchdie junge reizende Frau erwartete Genuß wurde Wolfgangschon vor dem Ende der ersten Woche durch die Eifersuchtdes Gatten vergällt, der ihn so schwer beleidigte, daß erschwur, nie mehr die Schwelle seines Hauses zu betreten, biser selbst ihn darum bitte. Das Unglück der jungen Frauergriff ihn entsetzlich und machte ihn zu einem schlechten Ge-sellschafter und Geschäftsmann, es drängte ihn zur Dichtungder lange ihm vorschwebenden „Leiden des jungen Werthers".Wiederum entzog er sich aller Gesellschaft und schrieb in fünfWochen mit kurzer Unterbrechung den bald alle Welt hin-reißenden Roman. Wie oft mag der gute Vater, der nochimmer an eine glänzende Advokatur des Sohnes glaubte, denKopf geschüttelt haben! Und kaum war der Dichter von seinem„Werther" entbunden, für den er zu seinem Verdruß nichtgleich einen zum Drucke bereiten Verleger fand, als seine Farce„Götter, Helden und Wieland" großen Lärm machte. Daßdiese namenlose, von verwegenem Humor eingegebene Verspottungvon Wielands ganz unbesonnenem Selbstlobe seiner Schöpfungenden Griechen gegenüber von Goethe sei, war ein offenbaresGeheimnis. Den Vater verdroß dieser unkluge Angriff einesso hoch angeseheneu Schriftstellers, zu dessen Veröffentlichunger sich durch Lenz hatte verleiten lassen, der nicht geruhthatte, bis er ihm die Erlaubnis gegeben, ihn drucken zulassen.
Wolfgang war indessen mit Lavater in Verbindung ge-kommen, der ihm meldete, nächstens werde er ein rheinisches