Johann Kaspar Goethe, 1738—1740, N3
liert; die feierliche Promotion Kaspars und zugleich des Osua-brückers Justus Eberhard Berghosf, der am 11, August alsDootorunäns immatrikuliert worden war, fand am 30, De-zember statt. Ein Glückwunschgedicht auf die PromotionKaspars, welche die siebzigjährige Mutter auf dem großenHirschgraben hoch erfreute, hat neuerdings Dr. Alex, Dich(Berichte des Hochstifts 1893/1894) bekannt gemacht. Erstam 27. Januar 1739 reichte Kaspar, wie es üblich, seineDissertation dem „hochedleu und hochweisen" Rate seiner Vater-stadt ein, der ihm das übliche Iionorurium zukommen ließ.
Kaspar war entschlossen, wie alle vornehmen Frankfurter,ehe er sich in seiner Vaterstadt niederließ, eine längere Bildungs-reise zu machen. Vor allem wollte er Italien sehen, das Landder Kunst, dessen wohllautende Sprache ihn so innig anzog;durch Frankreich dachte er, wahrscheinlich über Holland, zurück-zukehren, Auf diese Reise wollte er sich in jeder Weise vor-bereiten, besonders mit dem Italienischen, der eigentlichenSänger- und Dichtersprache, sich näher vertraut machen. InFrankfurt hatte sich Senckenbergs Bruder, Johann Christian,der im vorigen September ans der neuen Hochschule Göttingenals erster Doktor der Medizin promoviert worden war, jetztdauernd niedergelassen, wo er, wie schon früher, der Arzt vonKaspars Mutter war. Der Sohn, der überhaupt auf Ärztenicht viel hielt, konnte sich nicht mit diesem befreunden; ihreCharaktere und Richtungen waren zu verschieden, Senckenberggedenkt Kaspars nur als eines sittenreinen Jünglings,
Im Spätherbst trat I)r. Goethe seine Reise an, von derzwei Briefe an einen Sekretär St. in Gratz erhalten sind. Imersten, aus der Quarantäne zu Palmada im Venetianischen Friaulvom 20. Januar 1740, beklagt er sich über das sehr böse Wirts-hans „Zum schwarzen Rössel" in Laubach; der andere, einpaar Monate später auf der Rückreise zu Venedig geschriebene
Dtinher, Goethes Stammbäume. 8