99 II. Da? Geschlecht des Dichters Goethe.
mit Rauch genauer verkehrte und mit Zacharias Werner kegelte.Der Bericht Rauchs, daß Goethe im Jahre 181V in Romvon ihm Abschied genommen, hat Kopfbrechen verursacht, daman an den deutschen Dichter dachte. Woher der arme MalerGothe stammte, der 1710 in Frankfurt vom Armenkasten unter-stützt wurde, weiß ich nicht. Die Ableitung des Namens Götevon gut (gud, goed, goid) muß gegen die gegebene zurück-treten, wenn man auch eine Erweiterung des Beiworts goetdurch e sich wohl denken könnte, wie solche z. B. bei denNamen Kleine, Lange, Kluge, Krause, Kühne, Schönen. a. sich findet, und der Gebrauch von gut ähnlich vorkommt,ja sogar bei Heiligen, wie man sagte „der gute St. Severin".
Was die Schreibung betrifft, so herrscht auf dem Gebieteder Eigennamen der Eigensinn des Inhabers, jeder hat dasRecht seinen Namen zu schreiben, wie er will. Wirkliche Be-rechtigung hat das th ebenso wenig als das oe. Aber schonGoethes Großvater schrieb sich so, wie auch der Vater, ob-gleich Volger behauptet, dieser habe sich stets Göthe geschrieben,.die Mutter (sie nennt sich Goet he in) und der Dichter selbstimmer, schon als Knabe auf einer Schönschrift von 1757.Der aus Paris gekommene Großvater gab dem Namen sogareinen ncz<Z6wt ni^n, eine auch von anderen Deutschen ge-triebene Unart, wie Goethes doch sonst so besonnener Straß-bnrger Freund Lerse sich Lersö schrieb. Napoleon nahm dasschließende e, wie im Französischen, als stumm und sprach„Ms. Göt". Es ist ein Irrtum, wenn man meint, erst derDichter habe das oe aufgebracht, ja man hat sogar einenGrund davon entdeckt: er habe die Bedeutung seines Namensin fränkischer Mundart (Gevatter oder Gevatterin) vergessenmachen wollen! Jedenfalls wollte er nicht Go-ethe ge-sprochen sein, obgleich es einen schönen Reim auf Poetebildete. Auffällt es, daß Herder, der so gern alles aufstach,