Die Textor- und Goethesche Nachkommenschaft, 1806—1808, 73
ihnen, die nach zehnjähriger Bekanntschaft nicht inniger hättesein können."
Am Lazarettfieber starb den 26. März 1807 EduardSchlosser in Königsberg als Oberchirnrg, betrauert von allen,die den strebsamen und tüchtigen jungen Mann kannten, GoethesMutter schrieb am 2. Mai: „Das feierliche .Andenken' an dieverstorbene Herzogin-Mutter hat mir und allen, denen ich esmitteilte, außerordentlich gefallen, besonders der Schluß, welcherder guten Syndikus Schlosser ein Tropfen Balsam in ihre ge-schlagene Wunde war. Sie hat ihren einzigen Sohn im thä-tigen Laufe seines Berufs am Nervenfieber verloren, Sie grüßtdich herzlich, dankt vor deine Werke, die ihr und ihrer Tochterviel Vergnügen gewähren. Daß sie nicht selbst schreibt und dankt,wirst du ihr gewiß unter diesen Umständen verzeihen," Auch ihrhatte Goethe den ersten Band der neuen Ausgabe seiner Werkegeschickt; sie war ja eine seiner ältesten Freundinnen, Der demPrivatdozenten in Tübingen am 28. Mai geborene Sohn Wolf-gang Friedrich Alexander starb schon im vierten Monate, Indemselben Jahre verschied der Kaufmann Hoffmann, den seineGattin, die Tochter der Schwester der Frau Rat, überlebte.Weiteres über diese der Frau Rat einst so ärgerliche Ver-bindung ist mir nicht bekannt. Im Frühjahr 1808 hatteGoethes Mutter noch die Freude, den nach Heidelberg zumStudium der Rechtswissenschaft reisenden August bei sich zubegrüßen; wenige Monate später, am 13. September, verschiedsie. Erst nach ihrem Tode wandten Nicolovius und dessenGattin vor ihrer Versetzung nach Berlin sich an Goethe, derihnen dankte, daß sie, da das alte Band sich aufgelöst, einneues anknüpfen wollten. Als Goethes Sohn und Gattin derErbteilung wegen nach Frankfurt kamen, wohnten sie bei derWitwe des Schöffen Schlosser, dessen beide Söhne den Dichterverehrten. Hier wie bei den Verwandten und Freunden fanden