I. Das Geschlecht Tcxtor. 1.
anderen Abgeordneten den Thronhimmel über der zur Krönungreitenden Majestät. Die Kaiserin Maria Theresia beschenktealle Abgeordneten des Magistrats mit einer ihr Bildnis tragen-den schweren goldenen Kette. Textor hielt die seine über alleswert. Die schöne Menschlichkeit, welche Maria Theresia undihr Gatte bei der Krönung gezeigt, hatte außerordentlich auchauf Textor, dessen Frau und Töchter gewirkt, wenn sie auchden so gnädigen wie unglücklichen Karl VII. nicht vergessenkonnten.
Bei allen Ehren und Würden herrschte in Textors Hausedie schlichteste Einfachheit; die wackere, weit jüngere Gattin,die sich in seine Eigenheiten gern fügte, und die in Zucht her-anwachsenden Kinder bildeten sein höchstes Glück, seine Er-holung der Garten und die Familienfeste. Die Erziehung warbürgerlich einfach; ein Schreib- und ein Rechenlehrer nebsteinem Kandidaten des geistlichen Ministeriums genügten demSchöffen zur Ausbildung seiner Töchter; später trat das Kla-vierspiel hinzu. Von den Seiuigen war er verehrt und ge-liebt; besonders ehrwürdig erschien er den Kindern, die ihnals ein Muster des Lebens betrachteten, durch seine Ahnuugs-gabe.
Der 5. September 1746, an welchem auf Lersners Ver-wendung der noch nicht dreißigjährige Erasmus Senckenbergin den Rat gewählt wurde, war für diesen der Anfang unend-lichen Streites und der schändlichsten Verleumdungen. Lersnerhatte sich nicht in der Schätzung seines ungemeinen Talentesgetäuscht, nur nicht geahnt, zu welchen Frechheiten und Nieder-trächtigkeiten die Skandalsucht diesen hinreißen werde. Am3. Januar 1747 trat Lersner seine Amtsführung als ältererBürgermeister mit einer scharfen Verurteilung der im Rateeingerissenen Pftichtvergessenheit, Nachlässigkeit und Unwürdig-keit an, die durch die neuen Schöffen gefördert worden war.