Druckschrift 
1 (1879)
Entstehung
Seite
145
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daS ihm zur Obhut anvertraut war, ganz gewissenhaft in den Stall gebracht, hatte sich daraufgclaugweilt und war deshalb auf eine benachbarte Plantage gelaufen und hatte dieselbe ange-zündet. Einem andern schien es eine Schande, daß, da alle Plantagen rings herum aufloderte»,seine eigene verschont blieb, und zündete dieselbe dcßhalb ganz ruhig an, trotz der Abmahnungenseiner Mitarbeiter. Dergleichen Züge beweisen hinlänglich, wie die ganze schauerliche Mord-brennern mehr ihren Grund in dem Frohnen einmal erregter wilder Begierden, als in einerlang genährten Unzufriedenheit oder einem voraus überlegten Plan gehabt hat, welches auchdurch das vcrhältnißmäßig schnelle Unterdrücken der Empörung nach dem Erschießen einigerHundert von Negern, hauptsächlich der Anfrührcr, bestätigt wird.

DaS dänische Gouvernement der Insel war für seine große Milde bekannt, so daß esundenkbar ist, eine allgemeine Unzufriedenheit oder ein allgemeines Complot als Grund der Em-pörung anzunehmen. Der Grund ist einfach in der Leichtigkeit zu suchen, mit der die Negcrraccsich ihren bösen Instinkten überläßt, wenn gehörig gestachelt und namentlich, wie hier, derAnfang erfolgreich ist. Alsdann wirft der Neger alle Rücksicht ans sein vielleicht jahrelangesgutes Verhältnis zu seinem Brodhcrrn über Bord, vergißt alle erwiesenen und empfangenen Wohl-thaten und stürzt sich gedankenlos in den Strudel der Ausschweifung, des Verbrechens, desMordbrandcS und des Todtschlages. Und wie gewöhnlich bei solchen Gelegenheiten, zeigten dieFrauenzimmer sich eben so wild und wordlnstig, ja fast noch mehr wie die Männer, sie warenes, die daS Petroleum überall hinbrachten und mit der größten Wnth zerstörten, was zerstörtwerden konnte.

Wahrlich, diese hier geschilderte Episode spricht nicht zum Vorthcil der Negcrracc undderen Pcrfectibilität. Nach ZUjähriger civilisatorischer Arbeit seit der Sklavcnemaneipation,nachdem die Regierung überall Schulen angelegt und den Schulbesuch aller Ncgcrkindcr ob-ligatorisch gemacht hat, nachdem Priester alter Confessionen ihre Kirchen gebaut und ihreGemeinden überall gestiftet haben, nachdem die Leute persönliche Freiheit und eine jedenfalls fürihre Verhältnisse befriedigende Lage erhalten haben, nach allen diesen für geistige und körperlicheEntwickclnng so günstigen Veranstaltungen ereignet sich fast ohne denkbare Ursache eine Empö-rung, wie sie nur in den ärgsten Zeiten des Sklaventhnms vorgefallen ist, und wie sie Jedermannheut zu Tage für vollständig unmöglich gehalten hätte.

Der Verlust an Eigcnthnm ist, niedrig gerechnet, wenigstens 4 Millionen Mark, einigehundert Menschenleben sind verloren gegangen, einige hundert Mordbrenner im Gefängniß, derCredit der Insel auf lange Zeit rninirt, viele Familien ins Elend gestürzt und daS gegenseitigeZutrauen zwischen der weißen und schwarzen Nacc ans viele Jahre dahin.

Dies sind die Folgen einer Emcnte, die ebenso unbegründet in ihrem Entstehen wieschauderhaft in ihrem Verlaufe gewesen ist, und die hoffentlich als Warnung für alle Enthusiastendienen wird, die noch immer denarmen schwarzen Bruder" für ein Unrecht leidendes Individuumansehen, während er eigentlich wie ein großes Kind mit einigen guten und nicht wenigen bösenInstinkten anzusehen, das thcilS durch gute Behandlung, hauptsächlich aber durch die Anwesenheitvon physischer Macht in Ordnung gehalten werden muß.

Das Beispiel von Haiti, wo der sich selbst übcrlasscne Neger ans der schönsten nnbreichsten Insel der Welt in 80 Jahren ein mehr und mehr verwilderndes Eiland geschaffen hat,schien jedes andere Beispiel überflüssig zu machen. Vielleicht hatte man sich an Haiti schon aU->Ausnahme gewöhnt und dieses Factum halb vergessen. Die Empörung in St. Ervip wird hoffent-lich ein leider nur zu schlagendes Beispiel der Cnltnrunfähigkeit der schwarzen Raec abgeben unduns vor ferneren theoretischen Behauptungen über Gleichberechtigung der Racen verschonen.