I. Die Gggers in Kamlmrg.
Am alten Sachseiilande, dort wo an der Grenze Stormarns die Alfter sich in denElbstrom ergießt, liegt die alte Stadt Hamburg und dort stand die Wiege unseres Geschlechts.Ein freies und tapferes Volk sind die Sachsen gewesen, so lange es eine Geschichte gicbt, undfrei vor allen war die große, mächtige, uralte Stadt ihres Landes, die nicht selten unternahm,Königen und Fürsten Fehde zu entbieten, und welche dieselbe glücklich hindnrchführte.
Die erste Anlage Hamburgs geht über die vorhandenen beglaubigten Nachrichten hinüber.Von den beiden Elbnfcrn waren einst die Sachsen mit den Angeln ausgewandert, welche Spracheund Recht dieser Gegend nach England brachten. Die in der Heimat zurückgebliebenen Lands-lcnte können ihnen an SchiffahrtSknndc und in mancher GewcrbSthätigkcit nicht nachgestandensein. Wenngleich die Mehrzahl derselben als freie Landbancr und Schiffer lebten, so findensich dennoch bei ihnen manche Burgen, in und neben welchen Gewerbe und Handelsverkehrsich ausbildeten. Die eigentümliche Lage Hamburgs an den Flüssen Alfter und Billc, sowiean demjenigen Punkte der Elbe, wo die Flnth aufhört, Schiffe ans der See hinaufzutreiben,dasjenige Handels-Privilegium, welches die Vorsehung unserer Stadt crthcilt hat, kann vonjenem Volke schwerlich verkannt sein. Bei der damaligen Gestalt der Elbe, deren zwei Haupt-arme, die Norder- und die Südcr-Elbe, nicht wie jetzt durch zahlreiche kleine Inseln, sondern durcheine große, der GorrieSwcrder genannt, getrennt waren, ward Hamburg durch bequeme Fähr-Berbindnng der geeignetste Hauptpunkt des Verkehrs am nördlichen Elbnfer.
Die Franken-Fürsten, Karl der Große und sein Sohn Ludwig der Fromme beschlossennach der Bekehrung der Sachsen in Nordalbingicn ein BiSthnm zu gründen, zu dessen Sitz, wiezu andern bischöflichen Residenzen, der gelegenste und ausgezeichnetste Ort des Landes erwähltwurde, unser Hamburg, welches seinen Namen auf dnS BiSthum übertrug. Die große Missions-Anstalt des heiligen Anschar, welcher der Norden Europas die Segnungen des Christenthnmsverdankt, war auch dem Aufblühen des Ortes sehr günstig, wenngleich es dadurch häufig dasZiel der Raubzüge der Normannen und anderer heidnischen Horden geworden ist. Daß unge-achtet jener wiederholten Unfälle die Bürger zahlreich und der Handelsverkehr bedeutend waren,ergeben unter andern die Nachrichten, daß von den zwölf Türmen, welche der Erzbischof BczelinAlcbrand mit einer Blauer und drei Thoren zu Hamburg errichtete, die Hälfte den Bürgern zurBewachung anvertraut wurde, und daß sein Nachfolger Adalbert eine Münze daselbst besaß.Nicht lange nach der Verheerung, welche die Stadt und ganz Holstein um'S Jahr I07Z rchdie Wenden erlitten hatte, finden wir 1088 einen Grasen Heinrich von Hamburg wieder erw> t,als dessen Sohn der bekannte Graf Gottfried erscheint, welcher bei einem Raubzuge der Wenocnius Holsteinische mit mehreren Hamburgischcn Bürgern auf einem Hinterhalte erschlagen wnroe.