Druckschrift 
1 (1879)
Entstehung
Seite
146
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Es liegt nahe eine Parallele zwischen dieser Ncvoltc und der Pariser Commune (kilicwt parvinn componora magno) zu ziehen, auch um zu beweisen, daß die kaukasische Naceeben so gut dergleichen Sachen anfangen kann wie die äthiopische.

Der Unterschied ist jedoch augenfällig, denn in Paris hatten wir eS zu thnn mit derHefe einer großen Gesellschaft, mit einer durch Generationen geistig und körperlich verkümmerte»BolkSmassc, die in Laster und Elend aufgewachsen, keinen andern Ausweg ans ihrer Misere sah,als sich durch Mordbrand an der übrigen Gesellschaft zu rächen, als sie nicht mehr die von ihrbesetzte Stadt halten konnte.

In St. Croix jedoch handelt es sich um eine augenscheinlich friedfertige, im Schooßeder Natur durchaus nicht kärglich lebende Landbevölkerung, von der der größte Thcil nie anExccssc gedacht hat, sich eben gleich, sowie die Gelegenheit sich darbietet, von einigen Schurkenmitreißen läßt und sich alsdann rücksichtslos der Plünderung, dem Mordbrnndc und anderenScheußlichkeiten crgicbt.

Diese durchgehende Unbcrcchenbarkcit im Charactcr der Neger, sowie sein gänzlicherMangel an Selbstbeherrschung machen cS nothwcndig, daß man jeden Augenblick gewärtig seinmuß, ihn durch physische Gewalt in Ordnung zu halten. Ein ganzes Leben ruhiger Arbeit undhäuslichen Fleißes sind durchaus keine Garantie gegen plötzlichen Ausbruch der nngezähmtestcnLeidenschaften; hierin liegt meines Erachtens nach der große Unterschied. Der weiße Mann stehtans der ManncSstnfc der Eharactcrcntwickelnng, der Neger ist noch immer ans der des Kindes,mit den guten, aber auch mit den, bei einem körperlich zum Manne Herangewachsenen destogefährlicheren, schlechten Seiten desselben.

Ich sehe, lieber Vetter, mein Brief ist. zu einem ganzen Artikel herangewachsen. Ichbin jetzt wieder in St. Thomas mit einem Thcile der Compagnic, besonders um diesen Platz zuschützen, da die schwarze Bevölkerung hier auch leicht ans Sympathie mit den Negern ansSt. Croix Spektakel anfangen könnte. Es ist überhaupt nicht angemessen, mit so wenig Truppendiese Inseln regieren zu sollen, und wir erwarten mit Sehnsucht die Fregatte, welche uns Ersatzbringen soll. Außerdem rast hier noch immer das gelbe Fieber besonders unter den Soldaten.Meine Compagnic hat jetzt schon l l Mann verloren und mehrere liegen im Hospital und werdenwahrscheinlich auch noch daran müssen. Es sind demnach nicht angenehme Zeiten gerade jetztund man sehnt sich doppelt nach dem civilisirtcn Europa zurück, wenn man auch über Mangelan Ereignissen nicht klagen darf. Es fehlen nur noch Erdbeben und Orkan, dann wäre die Geschichtevollständig. Wie Sie sich denken können, geht alle Welt mit Revolver herum und schläft nur nochans einem Ohr. Alan erwartet jeden Augenblick den Lärm von nächtlichem Mordbrand. Da hilftes schon nichts mehr, wenn man sich Abends angenehme Ruhe wünscht. Die Biographic meinesGroßvaters haben Sic wohl jetzt glücklich erhalten, die meines Vaters und die meinigc werde ichversuchen so bald wie möglich fertig zu stellen, unter jetziger Zeit wird c§ vielleicht noch etwas dauern.

Mit bestem Gruß Ihr ganz ergebenster Egge r s.

«ophus Hermann Johann Freiherr von EggcrS, geboren den 16. November1846 zu Schleswig, besuchte von 1853 bis 1861 die dänische Bürgerschule zu Tondern, daraufbis Ostern 1863 die neu errichtete Realschule daselbst, wurde confirmirt 1863 und trat in dieLehre von Ostern 1863 bis 1864 bei einem Kaufmann in Flensburg. In Folge der politischenLage gab er seine Stellung aus und erlernte daS Apothekcrgcschäft vom 1. August 1864 bis31. März 1867 bei einen: Apotheker in Veilc, woselbst er auch bis 1. November 1868 alsGchülfe verblieb. Nachdem er im Juni 1869 sein Examen in Kopenhagen bestanden hatte, warer vom 1. August 1869 bis 1. Mai 1876 in der Apotheke zn Thistcd, vom 1. Mai 1876 bis