Druckschrift 
1 (1879)
Entstehung
Seite
143
Einzelbild herunterladen
 

I4Z

Ncgcr kehrten zu ihren Plantagen zurück, und wenngleich noch hier und dort eine einzelnePlantage verbrannt wurde, war es doch augenscheinlich, daß der Jnsnrrcction die Spitze abge-brochen war.

Jetzt folgten tägliche Expeditionen sowohl von Seite» der Truppen als auch der Pflanzer,viele der Rädelsführer wurden erschossen oder eingcfangen und in daö Fort eingesperrt, um vomStandrccht vcrnrtheilt zu werden. Während meines 14tägigcn Aufenthalts ans der Insel mitmeiner Compagnic waren wir beständig in Bewegung, um das Land zu durchstreifen, und schließlichmachten wir noch eine zweitägige Expedition, in Verbindung mit den Truppen ans Frcderiksted,in die bergige Gegend der Nordküste, wo die Hügel bis 1150 Fuß ansteigen und sich noch vielewaldige Schluchten finden, wohin die Reste der Ucbclthäter sich geflüchtet hatten.

Ans diese Weise ward das Land nach und nach beruhigt, die meisten Arbeiter lebenwieder ans ihren Plantagen, wo man so gut wie möglich die tägliche Arbeit wieder angefangenhat, die Hnuptanführcr sind standrechtlich in den beiden Städten erschossen und der Nest dereingebrachten Mordbrenner, ca. 200, ist in den Forts eingesperrt, mn zu kürzerer oder längererZwangsarbeit vcrnrtheilt zu werden. Im Ganzen sind zwischen 150 und 200 Neger bei dieserscheußlichen Revolte umgekommen, während der Verlust an Weißen sich ans die obenerwähntenzwei Soldaten, einen Pflanzer, einen 14jährigen Knaben, sowie einige, die aus Anstrengunggestorben, durch Versehen im Dunkeln erschossen oder auf andere Art umgekommen sind, beschränkt.

Am 14. bin ich mit einem Thcil meiner Compagnic wieder nach St. Thomas zurück-gekehrt, während der übrige Theil zur Verstärkung der Truppen ans St. Croix zurückgeblieben ist.

Dieses ist mit wenige» Worten der historische Gang der Emcntc. Werfen wir jetzteinen Blick ans die Folgen dieser ebenso unvorhergesehenen wie nnmotivirtcn Empörung, sowiedie wahrscheinlichen Ursachen, so sehen wir ein ziemlich complicirtcS Netz verschiedener Motiveund Resultate.

Die dänische Insel St. Croix, ungefähr 3 z Meilen groß, mir ca. 25,000 Einwohnern,ist ein zuckcrbaucudcs Land mit ca. 80 Plantagen, die wie fast überall in Weslindicn von Negernbebaut werden.

Die Ncgcr, ursprünglich Sclaveu, empörten sich im Jahre 1848, um ihre Freiheit zuerlangen, die ihnen auch von dem damaligen Gouverneur zugesagt wurde. Die ganze Empörungwar von sehr mildem Character, eine einzige Plantage ward zerstört, ca. 30 der Aufwieglererschossen, kein Pflanzer getödtet oder gemißhandclt und in sehr kurzer Zeit war Alles wieder ruhig.

Das Verhältnis; der jetzt freien Neger zu ihren früheren Herren ward durch sogenannteprovisorische Arbcitregulationen" geordnet, deren wesentliche Bestimmungen waren, daß dieNcgcr sich für ein ganzes Jahr an eine Plantage als Arbeiter vcrmiethcn mußten, dafür einHans, ein Stück Land, Holz, GraS :c. und eine tägliche Löhnung von 107 Cents ( 4028 Pfennigen) für 9stündigc Arbeit erhalten sollten. Sonnabend und Sonntag waren ihnenselbst überlassen. Außer der Löhunng au Geld erhielten sie außerdem eine Quart Maismehlund einen Hering täglich.

Diese sowohl für den Pflanzer wie für den Arbeiter befriedigende Ordnung ist bis jetztdie geltende gewesen. Wenn einerseits der Pflanzer für einen mäßigen Preis beständig hinlänglicheArbeit auf der Plantage hatte, war andererseits dem Arbeiter, auch in ungünstiger Zeit, wo derPflanzer seiner Arbeitskraft vielleicht lieber entbehrt hätte, ein hinlängliches Auskommen gesichert,und zugleich die Möglichkeit der Vagabondagc, die so viele der englischen Inseln zu Grundegerichtet hat, ausgeschlossen, indem jeder Arbeiter nachweisen mußte, daß er auf irgend einerPlantage angestellt sei.