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1 (1879)
Entstehung
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Die Mathematik gehörte nicht zu scincn Hauptstndicn, besonders besaß er in den höhcrnThcilcn derselben nur eine geringe allgemeine Kenntnis?, weil er theils in seiner Jugend nichtdarin unterrichtet worden, theils in der Folge nie so viel Zeit hatte gewinnen können, sich ernstlichans das Studium dieser Wissenschaft zu legen. Inzwischen war er dennoch weit entfernt, in denFehler mancher sonst so schätzbarer Gelehrten zu verfallen, dasjenige Fach der Gelehrsamkeit,welches man am wenigsten kennt, gering zu schätzen. Er erkannte vielmehr gar wohl dengroßen sowohl theoretischen als praktischen Werth der Mathematik, und unterließ nicht, dasStudium dieser erhabenen Wissenschaft Jünglingen, die sich der Gelehrsamkeit widmen wollten,schon in der Rücksicht dcö zufälligen Nutzens zu empfehlen, daß sowohl daö Abstractionsvermögendadurch geschärft wird, als auch daß man sich durch die Beschäftigung mit der Mathematikgewöhnt, allezeit eine Gewißheit und Bestimmtheit in seinen Erkenntnissen zu verlangen. Esgab wenige von den praktischen Thcilen der Mathematik, die er nicht geliebt und geschätzt hätte,lind in einigen derselben ersetzte er durch eine lange Erfahrung und scharfes Naisonncmcnt, wasihm an einer gründlichen Theorie abging, so daß er darin, z. B. in der Deichwisscnschaft, gartreffliche Einsichten besaß.

In den Staats- und Cameralwisscnschaftcn hatte er ans seinen vicljährigcn Erfahrungenin so manchen Vorfällen die wichtigsten Grundsätze abstrahirt. Er war zwar nie in sogenanntenStaatsgeschäften gebraucht worden, allein manche landesherrliche Verordnungen, welche währendder Zeit erschienen sind, da er bei der deutschen Canzlci zu Kopenhagen angestellt war undworan er großen Antheil hatte, zeugen von seinen Einsichten in der inneren Staatsverwaltung.Wäre er Staatsmann gewesen, so würde er zwar nicht bewundert worden sein wegen seinerSchlauheit, wegen der Feinheit, der Größe und des UmfangS ränlevollcr Pläne zur Erhebungdes einen und zum Verderben des andern Staates. Aber auch in seiner Staatsverwaltungwürde seine menschenfreundliche DenknngSart zu erkennen gewesen sein. Er würde, von derRichtigkeit der trefflichen Grundsätze eines edlen Dalbergs lebendig überzeugt, leine Staatsknnstohne Nebcrcinstimmung mit der Moral anerkannt haben, und er würde durch sein Beispielgelehrt haben, daß auch in StaatSvcrhandlnngen Redlichkeit und Treue stattfinden muß, und daßder Minister zugleich ein ehrlicher Mann sein könne und müsse. Sowie er den Krieg für dasgrößte Unglück hielt, welches einem Staate widerfahren könnte,^) so war er auch überhaupt widerdas Militair eingenommen, welches ihm blos zur Erhaltung der Polizei nothwcndig zu seinschien. Eine wohlgcfüllte Schatzkammer dänchte ihm viel wirksamer als eine große Armee beidrückenden Staatsschulden und armen Untcrthancn. In der Regel widerrieth er jungen Leutenvon Talenten, ins Militair zu treten. Er pflegte dann wohl zu sagen?ein gründlich gelehrterMann bedeutet viel mehr als der größte Held, denn diesen bildet vorzüglich Tollkühnheit undMangel an Nachdenken".

Bei seinen mannigfaltigen und gründlichen Kenntnissen kann man cS leicht erwarten,daß er die Littcratnr sehr liebte. In der ältern war er minder bewandert. Ganz von der ge-wöhnlichen Denlnngsart Grciscndcr abweichend, hielt er auch in diesem Falle mehr aufs Neueals anfS Alte; denn in Ucbcrcistimmnng mit seinen philosophischen Grundsätzen glaubte er, daßdie menschlichen Kenntnisse mit der Zeit immer weiter ausgebreitet würden und immer mehrFestigkeit und Bestimmtheit gewönnen. Er las verschiedene gelehrte Zeitschriften und widmete

") Er war von dankbarer Verehrung gegen den grossen dänischen Minister (A. P. Graf von Bernstorsf)erfüllt, durch dessen Weisheit jüngst dei den mißlichsten Umständen die Gefahr abgewendet und der goldene Friedeerhalten worden.