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1 (1879)
Entstehung
Seite
111
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IN

seiner Kenntnisse zn crwnrten stand. Was er von der Thcatcrknnst, der Malerei n. s. f. hielt,habe ich schon oben bemerkt. In der Archäologie war er nicht bewandert nnd fand anch aneinigen Theilen derselben, z. B. der Mythologie, wenig Geschmack. Die Schriftsteller der Altenselbst zn lesen, hatte er, seit er in Diensten stand, nie Zeit gehabt; inzwischen verkannte er nichtden mannigfaltigen Nutzen dieser Lcctnre. Er behalf sich hierin mit dem, was nns die Neuerendavon mitthcilcn, obgleich er wohl fühlte, daß ihm durch den Mangel einer genauen Bekannt-schaft mit den Alten selbst das Studium der Philosophie beschwerlicher würde.

So wenig er Romane nnd Neiscbcschrcibnngen, die diesen ähnlich sahen, las, so vielGeschmack fand er an der Geschichte nnd den damit verwandten Wissenschaften. Er bedauertees, dem Studium derselben nicht so viel Zeit widmen zn können, als er darauf zn verwendengewünscht hätte. Er betrachtete die Geschichte als eine treffliche Quelle, daS menschliche Herzüberhaupt, so wie die Wege der Vorsehung entfernt kennen zn lernen. Daher waren ihm ansder einen Seite Biographien und ans der andern raisonnirtc Erzählung der Wcltbegcbenhcitcnim Großen vorzüglich angenehm. Das Speciellc, besonders das Chronikcmnäßigc kümmerte ihnwenig. Eben so war die Kriegsgeschichte für ihn nicht anziehend, und bloß die Resultate der-selben, sofern sie Einfluß ans die Weltbcgebcnhcitcn hatten, waren ihm wichtig. Selbst nnS so-genannten Hcldcnthatcn machte er nicht viel, weil er anch dabei die leidende Menschheit nichtaus dem Gesichte verlieren konnte. Wenn von Heldenthatcn die Rede war, pflegte er gernesolche große Handlungen als diejenige, wodurch der erhabene Leopold'^) sich den Märtyrer-Todfür die Menschheit zuzog, dagegen aufzustellen. Am meisten zog die neueste Geschichte, ver-bunden mit der heutigen Statistik der europäischen Reiche, seine Aufmerksamkeit au sich, und seinInteresse daran schien mit seinen Jahren zuzunehmen. Er nahm überaus lebhaften Antheil anden großen Begebenheiten, die seit einigen Jahren in Frankreich vorgefallen sind, nnd er fandviel Gefallen daran, Betrachtungen über diese nnd ihre wahrscheinlichen Erfolge und Wirkungenanzustellen.

Das natürliche Staatsrecht, welches bekanntlich erst dnrch Inst Henning Böhmer ineine wis senschaftliche Form gebracht worden, aber anch nachher thcils zn wenig mit Erfolg aus-gebildet, thcilS zn oft mit der Politik und andern Wissenschaften vermengt worden ist, hatte erin seiner Jugend nnd in seinem männlichen Alter eigentlich gar nicht stndirt. Desto mehr Interessenahm er daran bei zunehmenden Jahren, nnd ohne Böhmer und andere Schriftsteller in diesemFach gelesen zu haben, entdeckte er dnrch eigene Meditationen gewisse Beschaffenheiten, welchealle Staaten und NegicruugSsorm.cn gemein haben müßten, und erfand also dnrch eignes Nach-denken die ersten Principicn dieser Wissenschaft. Von seinen Grundsätzen in dem natürlichenStaatsrecht und der Statistik ist hier nicht der Ort ausführlich zn reden. Nur das will ichjetzt bemerken, daß er ans der einen Seite ein zwar gemäßigter, aber auch desto gründlichererVerfechter der natürlichen und erworbenen Rechte der Nation oder eines Thcils derselben war;aus der andern Seite aber unter allen Ncgicrnngsformen die rein monarchische bei Weitem vorzog.Die englische Constitution schien ihm wesentliche Mängel zn haben, nnd noch weniger gefiel ihmdie neue französische.

Maximilian Julius Leopold, Prinz von Braunschweig, jüngster Sohn des Herzogs Karl, geborenzu Wotscnbüttel am II). Oetvber 17S2, ertrank am 27. April 173S beim Ausgang des Eises in den Finthender Oder zu Frankfurt, indem er bemüht war, mit einem Kahn die von Wasserfluthcn bedrohten Bewohner deruntern Dammvorstadt zu retten. Siehe: C. kl. D. von Eggers, Gedächtnisrede auf M. I. L. von Braun-schweig, gehalten in der Versammlung der drei vereinigten Logen zu Kopenhagen. Kopenhagen und Flensburg 178a.