Druckschrift 
1 (1879)
Entstehung
Seite
108
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Rücksicht nicht viel. Doch verlangte er bei seinen Freunden ein angenehmes Acnßerc, wenigstensanständige Sitten. Aber der Grnnd seiner Freundschaft war immer Achtung gegen den Charactcrund besonders gegen den Verstand und die Kenntnisse seiner Freunde. Daher betraf seineUnterhaltung mit denselben mchrenthcils geistvolle Gegenstände, woran man gegenseitig dasgrößte Interesse nahm. Mit gesellschaftlichen Vergnügungen mochte er denn nicht die kostbareZeit verschwenden. In der Aenßernng seiner Grundsätze und DcnknngSart, selbst in seinen Ur-thcilcn über Personen, war er sehr offen gegen seine Freunde. Desto zurückhaltender blieb erhingegen in Dingen, die nicht ein jeder wissen sollte, sie mochten ihn selbst und die Seinigcnoder einen dritten betreffen. Er war ungemein reich an Freunden, wenn ich alle die dazu zählenkönnte, welche ihn verehrten und liebten. Aber unter der großen Menge seiner Bekannten be-fanden sich vcrhältnißmäßig nur wenige so vorzügliche Menschen, daß er denselben seine ganzeFreundschaft schenkte, lind, sicher, schon auö der Wahl seiner Freunde kann man den Werthseines EharactcrS benrthcilen. Bon denjenigen, welche er bis an sein Ende vorzüglich liebte undachtete, will ich, ohne seiner Geschwister zu erwähnen, nur drei nennen: den vormaligen Staats-ministcr und gegenwärtigen Obcrpräsidcnten der Stadt Altona, Herrn v. Steinau»,den HerrnEtatsrath und Landvogt in Rorderdithmarschcn, Behrens, und den schon verstorbenen Consistorial-rath Jochims in Meldorf, welcher letzterer seinen verewigten Freund nur um einige Monateüberlebte. Mit väterlicher Zärtlichkeit liebte er die Söhne seines noch lebenden Herrn Bruders,und Frcndcnthränen standen ihm oft im Auge, weuu er einige von ihnen um sich hatte, uud siemit der größteu brüderlichen Wärme uud Eintracht sich einander lieben sah.

Er selbst brachte die Lehre, welche er jüngcrn Leuten, die sich den Wissenschaften widmenwollten, zu geben pflegte, recht in Anwendung, sich irgend ein Hauptstudinm zu wählen unddieses gründlich zu lernen, aber auch nebenher sich in andern Fächern dcS Wissens etwas umzu-sehen, und besonders den Zusammenhang und die gegenseitigen Verhältnisse der Wissenschaftenkennen zu lernen. Da die Nechtsgclahrthcit zu seiner sogenannten Brodwissenschaft bestimmtwar, suchte man ihn schon in seiner Jugenderziehung darauf vorzubereiten. Auf der Universitätzu Utrecht widmete er sich mit großem Eifer dem Studium der Rechte, unter Anleitung der dor-tigen öffentlichen NcchtSlehrcr. Allein der Unterricht, den er hier empfing, genügte ihm beiweitem nicht, sondern er stndirtc diese Wissenschaft für sich, und zwar mit dem besten Erfolg,worin er in der Folge, selbst wie er schon Landvogt in Sttdcrdithmarschcn war, sobald es ihmirgend seine Geschäfte erlaubten, stets fortfuhr. Die Jurisprudenz würde für ihn wenig Inter-esse gehabt haben, wenn er nicht Gelegenheit gehabt, durch die Anwendung derselben den Menschenund dem Staate zu dienen. Er verkannte daher nicht den Werth jener mühsamen gelehrtenUntersuchungen, welche dazu dienen, die oft nur zu willkürlich angenommenen Sätze der positivenJurisprudenz theilS zn berichtigen, thcilö zu erläutern. Aber er für seine Person mußte hieraufVerzicht thnn, und nahm nur dankbar ans den Händen jener Gelehrten den von ihnen geliefertenschätzbaren Vorrath an, um eine nützliche Anwendung davon zu machen. Desto mehr bemühteer sich, eine fertige Kenntniß der praktischen Ncchtslchrcn zn besitzen, und besonders die vater-ländischen Rechte genau zn kennen, deren Studium durch die große Menge der landesherrlichenVerordnungen ziemlich beschwerlich ist. Er hatte cS auch darin durch Hülfe seines glücklichenGedächtnisses so weit gebracht, daß c§ wenige Verordnungen gab, deren er sich in vorkommenden

Christian Ludwig von Strmann, der Sohn der älteren Schwester des Siegfried Eggers SophiaElisabet und des Konigl dänischen Etatsrulhs zu Segederg Philipp Christian Stemann, starb am 11. NovemberISIS zu Soröe als Geheimer Conserenzrath und Ritter des Elephantenordens.