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konnte. Mit innigster Wchmnth und mit dem lebhaftesten Mißfallen hörte er von wollüstigenAusschweifungen von Personen höherer Stände. Aber von der edelsten Frenke ward er erfüllt,wenn er erhabene Gesinnungen, besonders feuriger junger Männer, über diesen Gegenstandvernahm. Nie hörte man von ihm eine Frivolität. Kein unanständiger Scherz, keine niedrigeZweideutigkeit ging jemals ans seinem Munde. Niemand vergaß sich auch so weit, dergleichenPöbelhaftigkciten in seiner Gegenwart hervorzubringen; sowie er auch keinen Sinn für die feineGeschicklichkeit hatte, sie ans den unschuldigsten Reden hervorzusnchcn. Von einem solchen Mannkann man wohl erwarten, daß er in seinem ganzen Leben der Ueberzengnng seines Verstandesund seinem Gefühl gemäß gelebt und nie dem Laster der Wollust gcfröhnt habe.
Seine Gattin, mit welcher er, ungeachtet einer großen Verschiedenheit an Jahren, indemer sie in einem Alter von 40 Jahren als ein sehr junges, lebhaftes und reizendes Mädchenheirathete, bis an sein Ende in der glücklichsten Ehe lebte, liebte er beständig mit der größtenZärtlichkeit. Ob er in frühcrn Jahren irgend ein Francnzimmer geliebt habe, kann ich nichtbestimmen, ich glaube es aber nicht. Denn er hatte überhaupt wcntg Neigung zur Liebe, undsie war bei ihm mehr sanft und gemäßigt, als stark und brausend. Ucbrigens hatte er allerdingsGefühl für die körperlichen Vorzüge eines Frauenzimmers, und war ein so schneller Beobachterals feiner Bcurthciler derselben. — lieber die Gcistcsfähigkeiten und die Bestimmung des weib-lichen Geschlechts überhaupt, scheint mir aber dieser sonst so ticfdcnkcnde Mann nicht richtig gc-nrtheilt zu haben. Er glaubte, das weibliche Geschlecht stehe zu dem männlichen, in Ansehungder Fähigkeit zur moralischen Ausbildung, ungefähr in dem Verhältnis', worin die gesittetenStände zu den ungesitteten sich befinden. Er erforderte diesem gemäß zu den Geschicklichkeiteneines Frauenzimmers weiter nichts, als gute Sitten, HaushaltungSknnst und Fertigkeit in Hand-arbeiten. Ein guter natürlicher Verstand genügte ihm schon. Inzwischen sähe er es nicht nn-gernc, wenn ein Frauenzimmer Witz und Welt besaß und mit den Sachen bekannt war, die inder allgemeinen Conversation vorzukommen pflegen; z. B. heutige Geographie und Geschichte,das Praktische einiger schönen Künste u. s. s. Weiter zu gehen, nach größerer Ausbildung zustreben, hielt er für das weibliche Geschlecht nicht nützlich, und er billigte daher auch für dasselbekeine andere als eine leichte Lectürc. — Vielleicht rührte diese seine Idee aus folgenden Grund-sätzen her: Die Specnlation kann nach der Erziehung und nach allen Verhältnissen des Frauen-zimmers überhaupt dessen Sache nicht sein, sondern muß dem männlichen Geschlcchtc überlassenbleiben. Ohne tiefes Nachdenken läßt sich in wissenschaftlichen Dingen aller Art nichts gründ-liches leisten. Eine ganz allgemeine Knude und seichte Keuntniß davon ist weder für die Wissen-schaft selbst Gewinn, noch für den, der sie besitzt, hinreichend, um dadurch in diesem Stückemoralisch glücklich zu werden. Denn dieses kann man nur durch Gewißheit, durch gründlicheKeuntniß und durch feste Ueberzengnng erreichen. Daher sei es also besser, daß das Frauen-zimmer nur eine vollkommene Kcnntniß von dem, was seinem Wirkungskreise näher liege, zuerwerben suche, und ans oberflächliches Wissen van Dingen, die außer dessen Sphäre liegen, oderwenigstens entfernter davon sind, lieber gänzlich Verzicht thnc. — Je weniger er Hang zur Liebefühlte, desto mehr besaß er Neigung zur Freundschaft. Die scinigc war aber minder feurig undenthusiastisch, als sanft und zärtlich. Er gehörte nicht zu denen, die getrieben von warmerMenschenliebe, und voll von edler Herzcnsgüte, aber wenig durch Erfahrung und lange Be-kanntschaft mit den Menschen unterrichtet, jedem mit Bezeugung ihres Wohlwollens zuvorkommenund mit der liebenswürdigsten Offenheit jedem, der ihnen gefällt, ihre Freundschaft cntgegennagcn.Ans der andern Seite machte er aber auch nicht solche übertriebene Forderungen an die ^ncnnd-schaft, wo cS fast unmöglich ist, Freunde zu haben. Auf das Persönliche rechnete er in dieser