1V5
ein Glück für ihn, daß auch nach seiner Entlassung der König seiner Dienste noch bcnöthigt war.Außerdem aber machte er sich damals nicht nur aus Dienstfertigkcit manche Arbeit, sondern erverrichtete diese auch mit Vergnügen,
Seine ganze Art zn denken, und ehe er sich zu etwas entschloß, reiflich zu überlegen,war seiner Vorsicht und Behutsamkeit in seinen Handlungen angemessen. Nicht? unternahm er,womit einige Gefahr verbunden war. Erwägt man zugleich seine früheste Erziehung und seinelange Erfahrung, so kann man sich leicht erklären, daß, ohngeachtet er sich vor keiner Natur-begcbcnhcit n. d. g. fürchtete, er dennoch in allen den Dingen, wo der Wille des MenschenEinfluß haben konnte, mehr sorgsam, bedächtig und furchtsam, als mnthig, kühn und entschlossenwar. Er billigte nie ein gewagtes Unternehmen, wenn nicht gewissermaßen die äußerste Nothdazu zwang. Der gepricsenste Heldenmnth war ihm oft Unbesonnenheit und Mangel anUcbcr-lcgung. Ein oder etliche Male in seinem Leben ließ er sich bereden, an einer Unternehmung Thcilzn nehmen, wovon der Erfolg nicht ganz gewiß zu berechnen war, wobei er aber doch auf keinenFall in Verlegenheit kommen konnte. Diese Spcculationen mißlangen in der That größtcnthcilS,und nun setzte er sich vor, sich nie wieder darauf einzulassen. Er war z. B. ein Freund desAckerbaues und der Landwirthschaft, er wagte es aber nie, denselben sowohl zu seinem Vergnügenals zu seinem Nutzen treiben zn lassen, indem der Ertrag desselben doch immer ungewiß ist, undbesonders in der Marsch dabei viel ans zufällige Umstände oder anfö Glück ankommt. Nochweniger mochte er daher Besitzer eines ganzen Landgutes sein, wenn ihm gleich bisweilen derAufenthalt ans den Güter» Vergnügen machte. Uebcrhanpt scheute er sich vor allen Arten vonVerwickelungen in seinen Privatangelegenheiten, nicht nur ans Besorgniß des möglichen Falles,sich dadurch einer Verlegenheit auszusetzen, sondern auch, weil er dadurch in früher» Jahren anseinen Geschäften und im hohen Aller an seinen Meditationen gehindert worden wäre. Er liebtefür seine Person Nnhc und Eintracht, und es war ihm unangenehm, in irgend eine Art vonStreitigkeit verwickelt zu sein. Er war auch so glücklich, in seinem langen Leben nie einen Proecßzn führen, allein ihm war keineswegs bange davor. Vielmehr forderte er, überzeugt von seinemRechte, alle Diejenigen, welche sich von ihm gekränkt glaubten, ans, ihn bei seinem Nichter znbelangen, denn er wollte nicht, daß Jemand ans Furcht seinem vermeinten Gcrechtsam gegenihn entsagen oder glauben sollte, er verlange größere Gerechtsame zn besitzen als einer seinerMitbürger. Nach seiner genauen Kenntnis; der Denknngsart der Einwohner seines DistrictSüberredete er streitende Pgrteicn weder als Nathgebcr noch als Richter, sich zu vergleichen, vielweniger wendete er sein richterliches Ansehen an, m» sie gewissermaßen dazu zu zwingen. Freilichwürde dieses leichter und vortheilhafter gewesen sein, als mehrere richterliche Aussprüche nachmühsamer Untersuchung der Sache zn thnn. Allein es war ihm gar zu wohl bekannt, daß beiden drohenden Bcrcdnngcn eines Richters zum Vergleich gewöhnlich Unwissenheit oder Partei-lichkeit gegen einen von den streitenden Thcilen zum Grunde liegt. In keinem von beiden Fällenbefand er sich, und daher suchte er nicht lange, einen Vergleich zn erpressen, sondern, wenn dieStreitenden nicht willig seinen Vorschlägen Gehör gaben, welches indessen sehr oft geschähe, warer bereit zn entscheiden; um so mehr, als er wußte, daß es denselben nicht um die Dnrchhannng,sondern um die Auflösung des Knotens zn thnn ist, daß sie keinen Machtsprnch, sondern einerechtliche Entscheidung verlangen. Auch als Nathgebcr erklärte er sich nicht ohne Unterschiedgegen jeden Proceß, sondern rieth nach Beschaffenheit der Umstände wohl gar, die Streitsacheans dem Wege Rechtens auszumachen. Lange Erfahrung hatte ihn gelehrt, daß es in mancherRücksicht den Parteien sehr nützlich sei, sich der Advokaten bei der gerichtlichen Ansmachnng ihrerStreitigkeiten zu bedienen. Er war daher weit entfernt, diese zn drücke», nur widersetzte er sich