Druckschrift 
1 (1879)
Entstehung
Seite
103
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Jahren von hoher Hand ein Wink gegeben ward, nm den Danncbrogordcn anzusuchen, erklärteer freimüthig, daß er nicht wünschte diese Gnadenbezeigung zu erhalten. Inzwischen kannte erviel zu gut die Dcnknngsart der Welt und besonders des großen HanfcnS, um nicht diese Dingeaus dem wichtigsten Gesichtspunkte zu betrachten. Er wußte, daß bei einem wichtigen Amt auchein gewisser äußerer Glan; hinzukommen müsse, daß Rang, Titel, standesmäßiger Aufwand untercivilisirten Nationen nothwcndigc Dinge sind, jedoch nur in jener Rücksicht und nicht an sichselbst. Diese Grundsätze befolgte er auch genau. So einfach und prnnklos seine Lebensart fürseine Person war, so gut beobachtete er doch Alles, was er dem äußeren Anstand gemäß zusein hielt.

Ohngeachtct er vom eitlen Ehrgeiz weit entfernt war, so besaß er nichts desto wenigerein feines Ehrgefühl. Er setzte seine Ehre vorzüglich in seiner Wahrheits- und GcrcchtigkeitS-liebc, Unparteilichkeit und Nneigennützigkeit, in seinen Kenntnissen und der nützlichen Anwendungderselben, mit einem Worte, in seinen Tugenden als Bürger, als Staatsbcdientcr, als Gatte,als Freund, als HanSvatcr. Auch die Verletzung der äußern Ehrerbietung war ihm unangenehm.

Nach seinen großen Geisteskräften und nach dem trefflichen Gebrauch, den er von denselben machte, nach seiner großen Behutsamkeit, Sorgfalt und Genauigkeit bei seinen Urthcilcnund Meditationen, nach der Richtigkeit, womit er den Werth der Dinge zu schätzen sich bemühte,war cS natürlich, daß bei ihm eine gewisse Vorliebe für seine Urthcilc, Grundsätze und Meinungenentstehen mußte. Je seltner er in Sachen des Verstandes irrte, desto schwerer war cS, ihn vonseinem Jrrthnm zurückzubringen. Konnte man nicht alle Gründe seiner Meinung entkräften, soblieb er bei derselben. Mit einer gleichen Beharrlichkeit bestand er, selbst in Kleinigkeiten undoft zu seinem eignen Nachthcil, ans seinen Vorsätzen und Entschlüssen. Ich glaube in der That,daß etwas Eigensinn zu den Schwächen dieses großen Mannes gehörte. Inzwischen rührte diesekeineswegs von einem hohen Grade von Eigenliebe, sondern bloß von dem Nachdenken her, wo-mit er alle Dinge umfaßte. Denn er konnte gar wohl Widerspruch ertragen, sobald dieser mitBescheidenheit angebracht und mit Gründen unterstützt ward. So wie er, ganz seines philosophischenGeistes würdig, überhaupt zum Zweifel geneigt war, so war die beste Art, seine Meinungen zubestreiten, wenn man nicht geradezu Gcgengründc anführte, sondern Zweifel wider.seine eigenenGründe bei ihm erregte. Nie drang er aber auch Jemand seine Meinungen und Grundsätzeans und nie verlangte er, daß man sie als Orakelsprüchc ungeprüft annehmen sollte. Ja, einblinder Beifall konnte ihn fast unwillig machen.

So richtig er über die meisten Dinge zu denken pflegte, so treffend schien auch seinUrthcil über seinen eignen Werth zu sein. Er wußte freilich wohl, daß er vorzügliche Talente,vorzügliche Kenntnisse besaß. Aber thcils überzeugten ihn täglich selbst seine Meditationen vonder Schwäche des menschlichen Verstandes, thcils merkte und fühlte er bei so manchen Gelegen-heiten die Lücken in seinem Wissen. Weit entfernt von aller Anmaßung, von allem Eigendünkel,war er daher in der That dcmüthig und bescheiden. Er traute seinen Einsichten und Kenntnisseneher zu wenig als zu viel. Nie übernahm er ein Geschäft, ohne demselben völlig gewachsen zusein. Nie machte er Anspruch ans den Namen eines Gelehrten. Gern und offen dckanntc er,in dieses oder jenes Fach der Gelehrsamkeit nicht eingedrungen zu sein. Nicht einmal seinetrefflichsten Arbeiten hielt er für vollkommen, obgleich er bis zu deren Vollendung die ^cilc nichtniederlegte. Den redcndstcn Beweis, wie wenig er ans seine Geisteskräfte und Kenntnisse stolzwar, gab die Bereitwilligkeit und Geneigtheit, anderer Talenten und Einsichten nicht nur Gerechtig-keit widerfahren zu lassen, sondern sie auch den seinigcn vorzuziehen. >so wie ihm der Beifallschätzbarer Personen angenehm war, so war er auch nicht unempfindlich gegen das Lob cinlN'