Druckschrift 
1 (1879)
Entstehung
Seite
102
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geschickten Arzt zu Ruthe gezogen zn Huben. Auch wenn bemittelte Personen eine gefährlicheKrankheit Hutten, holte er muuchmnl uns eigner Bewegung und uns seine Kosten die Meinungberühmter auswärtiger Acrzte ein. Nicht minder, ja vielleicht noch mehr theilnchmcnd wur er unden Leiden der Seele eines Menschen. Nur mußten diese nicht von Ursuchcn herrühren, odervon einer Bcschufscnhcit sein, worin er im cigcndlichstcn Verstünde sich nicht finden konnte.Z. B. für die Leiden einer hoffnungslosen Liebe Hütte er keinen Sinn. Mit ullen denen über,die durch gewöhnliche Schläge dcö Schicksuls, z. B. durch den Tod geliebter Personen, durchNuhrungSsorgen, durch unungenchme häusliche Lagen, durch fortwährende Kränkungen der Ehren. s. f., gebeugt waren, hatte er tiefes Mitleiden. Dieses wur aber geringer, wenn jemand nachseiner Meinung selbst daran Schuld war, z. B. durch ehemalige Verschwendung. Am meistengerührt ward er, wenn die Leiden, wie er glaubte, den Verstand angegriffen hatten. So nannteer einen Alaun, den die Melancholie und Hypochondrie seiner Meinung nach zum religiösen undmoralischen Schwärmer gemacht hatte, (obgleich höchst wahrscheinlich im Grunde alles eitleAssociation war,) nur mit dem Beinamen des Unglücklichen. Inzwischen entzog er sich gerndem Anblick des Elends jeder Art, um seine Gefühle nicht zn sehr anzugreifen, welche er, wieich vorhin bemerkt habe, nur zn unterdrücken strebte. Er war daher auch wenig im Stande,Leidende durch bloße Acnßerung seines Mitgefühls zn trösten, welche sonst diesen eine so süßeErquicknng ist.

So sehr Sparsamkeit zn seinen Tugenden gehörte, so weit war er dennoch vom Geizund Eigennutz entfernt. Seine Dicnstfertigkcit hatte nie ans sein Interesse Beziehung. Nienahm er Geld oder GcldeSwerth für einen guten Rath, den er Jemand ertheilte, so wichtigderselbe auch sein mochte. Er verabscheute die niedrigen Künste, wodurch die Richter um derGebühren willen den Weg dcS Rechts verlängern und erschweren. Vielmehr schenkte er nichtnur viele Gebühren weg, sondern leitete auch oft die Ncchtsstreitigkciten unter mehreren Artenauf eine solche, wovon er den wenigsten Vorthcil und die meiste Mühe hatte. Geschenke nahmer als Nichter nie, auch da nicht, wo er sie mit dem besten Gewissen hätte nehmen können. Soschickte er einmal einen sehr schönen und kostbaren Pelz, der ihm für eine Gefälligkeit, die erals Nichter Jemand erzeigt hatte, zum Geschenk gemacht worden, unbesehen wieder zurück. Aberauch außer seinen Amtsverhältnissen bezeichneten alle seine Handlungen eine gleiche Nncigcnnützig-keit, wovon ich unendlich viele Beispiele anführen könnte und würde, wenn diese nicht zum Theiljetzt lebende Personen beträfen.

ES ist natürlich, daß er bei seiner ausgezeichneten Menschenliebe den Wunsch hatte, denMenschen überhaupt zn gefallen. Dieser war aber so gemüßigt, daß er der Eitelkeit kaum einmalähnlich sah. Nie unternahm er irgend eine Handlung um dcS Beifalls der Menschen willen; erhandelte gut aus Grundsätzen, und wenn er fehlte, war niemals Eitelkeit die Ursache. Eben sowenig kann man ihn der Art des Ehrgeizes, der aus Eitelkeit entspringt, beschuldigen. Niestrebte er nach hohen Ehrcnstcllen und nach Mitteln, sich bei dem großen Haufen geltend znmachen. Damals, wie er sich um die Landvogtci in Süder-Dithmarschcn bewarb, hatte er schonbeträchtliche Schritte ans der Bahn der Ehre gemacht und die glänzendsten Aussichten vor sich.Höchst wahrscheinlich würde er in der Folge bis zur Ministcrwürde hinaufgerückt, oder derselbenwenigstens sehr nahe gekommen sein und immittclst immer die Annehmlichkeiten des Hoflebcnsgenossen haben. Und diesen Reizen der gegenwärtigen Zeit, diesen hoffnungsvollen Aussichtenfür die Zukunft entzog er sich freiwillig in der Blüthe seines Alters, um eine Laufbahn anzu-treten, wv er ans jenen Glanz ans immer Verzicht thnn mußte. Er suchte nie um einen Titelnach, so freigebig man auch am dänischen Hofe mehrmals damit war. Ja, wie ihm in spätcrn