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Bci eincm Manne, der, wic cr, seine ganze Zeit den Bcnifsgcschäftcn oder den Me-ditationen widmete, konnte natürlicher Weise die Einbildungskraft keinen hohen Schwnng erreichen.Vielmehr suchte cr den Grad derselben, welchen cr von der Natnr empfangen hatte, so viel wiemöglich zn unterdrücken, weil er die Einbildungskraft sowol für das politische als für dasmoralische Wohl des Menschen äußerst gefährlich, der Ausbildung nachthcilig und dem Wnhrhcits-sorscher sehr hinderlich hielt. Ja cr beklagte diejenigen, welche eine starke und feurige Imagi-nation hatten. Dennoch konnte er sich von sinnlichen Dingen, z. B. von Zeichnungen, leichteine Vorstellung machen und war sogar in manchen Stücken erfinderisch. Nur stand seinePhantasie immer unter der Herrschaft der Vernunft.
Ebensowenig als sein Gedächtnis; auch in seinem hohen Alter geschwächt schien, konnteman an ihm eine Abnahme seiner andern Geisteskräfte wahrnehmen. Nur in der Zeit seinerletzten langen Kränklichkeit schien cr manche Dinge weniger schnell als sonst zu durchschauen undnicht alle Seiten so scharf wic gewöhnlich zn fassen.
Selten haben die Geisteskräfte und deren Ausbildung einen so deutlichen Einfluß ansden ganzen Character, als bei diesem Mann. So wic seine Vernunft über seine Sinne undAffccten herrschte, besaß er auch fast keine von den Tugenden, welche hauptsächlich dadurch hervor-gebracht werden. Dagegen hatte cr auch keinen von den Fehlern, welche sich oft bci leidenschaft-lichen und sehr sinnlichen Menschen finden. Ebensowenig hatte sein Character etwas heroisches.Er hielt gerade die Mitte zwischen einem gewisse» Trocknen und einer zn großen Fühlbarkeit.In Verhältnis zn den übrigen Eigenschaften seiner Seele hatte cr nur gemäßigte Affccten. Nieraubten sie ihm ans einen Augenblick seine Besonnenheit, und nie bewegten sie ihn zn einerübereilten Handlung. In seinen jüngeren Jahren konnte er zwar leicht zornig werden, aber niegcrieth cr in Wnth und nie kam es bis zum Toben. Keine seiner Neigungen ward jemals zurLeidenschaft, so sehr verließ ihn nie die Ucbcrlcgnng!
ES ist schwer zn entscheiden, ob sein Character mehr sanftes als starkes hatte. Mancheseiner Neigungen und Tugenden gehörten ohne Zweifel zn den sanften, aber die Aenßernngcnderselben hatten immer etwas männliches und starkes. Nur sein Gefühl zeigte sich mehr anseine sanfte als starke Weise. Er ward leicht bis zn Thräncn gerührt. Diese konnte nicht nurder Abschied von geliebten Personen, sondern eine rührende Erzählung, der Anblick einer edlenThat, ja die Erinnerung an eine große freundschaftliche Zärtlichkeit zwischen Personen, die ihmlieb waren, in ihm hervorbringen. Doch überließ cr sich nie seinen Gefühlen, weil sie ihn inMeditationen hinderten und cr nur immer denken wollte. Er gcrieth daher nie in Enthusiasmus,obwohl er natürliche Anlagen dazu hatte; ja er fand ihn an andern sogar seltsam, und, wennderselbe sich in einem hohen Grade zeigte, möchte ich fast sagen, abenteuerlich.
Ein Grnndzug seines Charactcrs war eine alles umfassende Güte und besonders Menschen-liebe, welche sich ans mannigfaltige Weise äußerte: durch eine vorzügliche Dienstfcrtigkcit, durcheinen liebreichen Umgang, durch Wohlthätigkcit, durch Mitleiden, durch Versöhnlichkeit. Einanderer Hanptzug seines Charactcrs war Enthaltsamkeit, welche nicht nur anfj den Genußdes Essens und Trinkens und Befriedigung anderer körperlicher individueller Bedürfnisse, ansVergnügungen und Liebhabereien, sondern auch ans den freundschaftlichen Umgang, ja sogar ansseine Geschäftigkeit sich erstreckte, da doch sonst die Arbeitsamkeit ebenfalls zn seinen Grnndnci-gungcn gehörte. Vielleicht war dies auch nur die Quelle seines Hangs zur Sparsamkeit. Nächst-dcm machte eine überwiegende Liebe zur Wahrheit und Gerechtigkeit einen Grnndzug seinesCharactcrs ans. AnS diesen Grnndzügen zusammengenommen flössen alle seine engenden, sowic sie auch die Quelle mancher von seinen Fehlern waren; und einen jeden von jenen bcitimmtc.