Druckschrift 
1 (1879)
Entstehung
Seite
96
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änderte. Er hatte jetzt einen angesehenen Posten, gntc Einkünfte nnd glänzende Aussichten.Dennoch ward er der Lage, worin er sich befand, nach wenigen Jahren überdrüssig, nnd wünschteeine Bedienung in den deutschen Staaten dcS Königs zu erhalten. Hierzu zeigte sich eine Gelegen-heit, wie die Landvogtci in Südcr-Dithmarschcn 1744 durch den Tod des ConferenzrathS nndLandvogtS von Helm erledigt ward, welche er dann auf sein Ansuchen ohne Schwierigkeit erhielt,obgleich der Minister Graf Schnlin ihn ungern entbehrte. Ohngeachtet er sich diese Bedienungin mehrerer Rücksicht angenehmer gedacht hatte, als er sie fand, so äußerte er doch nie Unzu-friedenheit, oder den Wunsch einer Versetzung, sondern verwaltete diesen beschwerlichen nnd wenigeinträglichen Posten bis l781. ThcilS wegen unangenehmer AmtSverhältnissc, thcils weil erglaubte, die herannahenden Schwächen des Alters zu fühlen, suchte er in gedachtem Jahre umseine Entlassung an, und erhielt sie auf eine für ihn schmeichelhafte Art, indem er zugleich miteiner ansehnlichen Pension begnadigt ward. Seine Wirksamkeit für das gemeine Beste hörte aberdamit noch nicht ans. Der Hof hielt sich noch so sehr von seiner Dienstes-Fähigkeit überzeugt,daß er zum Mitglicde von verschiedenen wichtigen Commissioncn ernannt ward, die ihn zumTheil noch bis an seinen Tod beschäftigten. Im Frühjahr 1790 ward er sehr kränklich, nndallmälig von allerhand körperlichen Ucbeln angegriffen. Ohngeachtet aller Fürsorgen, die mangebrauchte, ihm das so vielen Menschen noch schätzbare Leben zu fristen, konnte seine Natur nichtlänger widerstehen, nnd bei gänzlicher Erschöpfung seiner Lebenskräfte starb er den 24. Augustdesselben Jahres im 85. Jahre. Er hatte sich 1745 mit einer Tochter des Herzoglich plönischenJustizraths Esmarch") verhcirathet, welche Verbindung bis an das Ende seines Lebens eine vor-zügliche Quelle seiner Zufriedenheit ward, obgleich er mit seiner Gattin keine Kinder zeugte.

Die Erziehung dieses ManneS war weder für die Entwickelung seines Verstandes, nochfür die Bildung seines HerzeuS vortheilhaft. Sie war nach der damaligen Sitte änßcrst steifnnd sklavisch. DaS Verhältnis; der Kinder zn ihren Eltern war noch schlimmer als dasjenige derBedienten zu ihrer Herrschaft. Auf der einen Seite ward ihm keine Art jugendlicher Freudeverstecktet, und ans der andern war auch der Umgang mit seinen Eltern äußerst entfernt, nnddaher nichts weniger als liebreich und bildend. Der Unterricht, den er genoß, war, wie er selbstmir oft mit Bedanern gesagt hat, dürftig. In frühcrn Zeiten ward er ihm van einem un-wissenden Schullchrcr gegeben nnd bei heranwachsenden Jahren bekam er einen Hofmeister, dessenWissen bloß Gedächtnißwcrk war. Die Zeit, welche nicht zum Unterricht bestimmt war, mußteer mehrcntheils mit Abschreiben in seines Vaters Geschäften zubringen, welches derselbe, nachder damaligen Dcnkungsart, für eine treffliche Schule hielt. DaS einzige, was er ans dieseArt lernen konnte, waren alte Sprachen, einige juristische Definitionen, ein wenig Geographiennd etwas scholastische Philosophie. Indessen hat doch vielleicht diese in mancher Rücksicht sehrzn tadelnde Erziehung ans der andern Seite auch einen wohlthätigen Einfluß auf die Ausbildungseines Geistes gehabt. Vielleicht ward ihm dadurch Emsigkeit nnd geistige Wirksamkeit, so zusagen, zur Gewohnheit; vielleicht erhielt sein Character dadurch den Ernst, ohne welchen er niedas geworden wäre, was er ward. Sein Vater hatte ein Vorurtheil wider die säckisischenUniversitäten, wo man sich damals, wie er meinte, mit unnützen Grillen beschäftigte. Denndafür hielt er die Philosophie, obgleich nicht aus dem Grunde, warum zn nnscrn Zeiten so

«) Nicolaus Ludwig Esmarch, von dem der Professor und Consistorial-Assessor Schütze (Schleswig.Holsteinische Anzeigen 2S. St. 1760) sagt,daß er die Hochachtung aller derer verdiene, welche sich von demCharacter eines edel denkenden Menschenfreundes würdige Begriffe machen konnten", gehört der ebenso verbreiteten,als litterarisch ausgezeichneten und bekannten alten holsteinischen Familie der Esmarch an.