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Dieselbe fand Deutschland bereit! Ein anderer Krieg begann wie 1866. Nicht der Bruder strittgegen den Bruder, der Deutsche hatte den Fehdehandschuh des Erzfeindes aufgehoben. Ansallen Gauen des Vaterlandes strömten die Männer zum Heere und so war cS natürlich, wieans der schnellen und großartigen Mobilmachung für die Beamten neue Arbeiten erwuchsen, neuund daher schwer, denn in der Provinz Hannover trat diese Art der Thätigkcit zum ersten Malein Kraft. Doch man wußte, wofür man arbeitete und that die riesige Arbeit gern, obgleich siemanchmal zu viel zu werden schien. Der AmtShanptmann Eggers schreibt selbst in Briefenans damaliger Zeit an seinen ältesten Sohn, welcher in Hannover das Lycenm besuchte: „IchHütte Dir längst geschrieben, wenn ich durch die Mobilmachung, Bchändigung der Ordrcs, Ge-stellung der Mobilmachnngspferdc nicht gehindert gewesen wäre. Ich bin so sehr in Anspruchgenommen, daß ich nicht weiß, wie lange ich es noch aushalten kann. Dazu ein neuer Schreiber,der unerfahren in den Geschäften ist. Es ist eine unendlich schwere Zeit!"
Die Heere zogen ins Feld, die Männer fehlten überall und für die Zurückbleibendenwar die Last der Geschäfte verdoppelt, erhöht durch die Versorgung der Armeen und die Pflegeder zurückkehrenden Verwundeten. Diese Zeiten voll Sorge und Arbeitslast hatten die GesundheitdeS AmtShanptmanns angegriffen und der übermäßig kalte Winter 1876/71 trug noch dazu bei.
Da erkrankte im Januar 1871 der Geheime Kammerrath Kestncr zu Hannover plötzlichund erlag am 31. Januar einem kurzen Leiden. Ihm folgte am 9. Februar die treue Lebens-gefährtin in daS Jenseits. Der Schwiegersohn, welcher der nach Hannover vorancilcndcn Gattin,nach Erledigung der dringendsten Geschäfte, gefolgt war, geleitete beide zum Grabe und zog sichbei der gioßcu Kälte eine Lungenentzündung zu, die schon in zwölf Tagen am ZI. Februarseinem thätigcu Leben ein Ende machte, nachdem er wenige Tage vorher die Beförderung seinesin Frankreich stehenden Sohnes zum Portepee-Fähnrich erfahren hatte. Nnhig und ohneSchmerzen war er hinübcrgcschlummert, seine Gattin und sieben noch unversorgte Kinder hinter-lassend. Er fand neben den Schwiegereltern ans dem Kirchhofe am Engesohdcrbcrge in Hannoverseine Ruhestätte.
In ihm verlor der Staat einen überaus treuen unermüdlichen Beamten, seine Familieden stets sorgenden, sicher rathcndcn, fest und bestimmt leitenden Vater. Er kannte nur zweiPflichten, die treue Erfüllung seines Berufs, die gründliche Erziehung seiner Söhne, welcherletzterer er leider zu früh enthoben wurde. Schon den Schüler des Lycenms hatten ein uner-müdlicher Eifer, ein hohes Interesse vor allen für die Schriften der Griechen und Römer, fürdie Geschichte v) ausgezeichnet und der Schreiber dieses erinnert sich oft ans seinem Munde ge-hört zu haben, daß er sich nach dem Studium der Jurisprudenz nur allein dem Studium derklassischen Philologie habe zuwenden mögen. Im Jünglingsalter und während seiner Studienzeitein Freund auch geselliger Freuden zog er sich mit zunehmendem Alter, bei der Last der Geschäftemehr und mehr in den Kreis seiner Familie zurück, wo er in genauer Sorgfalt den Unterrichtseiner Söhne überwachte, manchmal in den ihm stets lieb gebliebenen Schriftstellern der Griechenund Römer selbst dem Unterrichte nachhalf. Nur im Kreise weniger würdiger Männer, welcheer bei sich sah, gewährte er sich einige Erholung.
Fern von engherzigem ParticnlarismnS, ein Patriot und dcutschgesinntcr Mann, warenihm die Jahre 1848/49 mit ihren revolutionären Bestrebungen, der Auflehnung gegen die vonAlters her bestehenden und geheiligten Regierungen und Verfassungen betrübend und niederdrückend,
B Auch er war stets voll regen Familieniiiteresses und seine Sammlungen, allerdings theilweis nochlückenhaft und unvollständig, haben die vorliegende Arbeit des Sohnes wesentlich fördern helfen.