Druckschrift 
1 (1879)
Entstehung
Seite
82
Einzelbild herunterladen
 

bei Langensalza a. U. ans denselben Gefilden, wo dieser Väter einst gegen Kaiser Heinrich IV.gestritten hatten und am 29. schloß König Georg V. nach siegreichem Kampfe seiner heldenhaftenArmee nicht die einzige, aber wohl die letzte Kapitulation hannoverscher Truppen. Wie ein Blitzdurchzog die Kunde der Schlacht das Land, der König ans der Reise nach Wien, die Armee ent-waffnet kehrt zurück. Es war für die Beamten eine unendlich schwere Zeit. Ergeben dem an-gestammten Fürstenhansc mußten sie täglich die Klagen heimkehrender Soldaten vernehmen,mußten ans preußischen Befehl in ihren Acmtern nach etwa noch verborgenen Waffen fahndenlassen und begegneten naturgemäß, wenn sie auch noch so sehr, dem Gefühl zuwider allerdings,den Befehlen nachzukommen bestrebt waren, Mißtrauen und Argwohn. Hierzu kam das nieder-drückende Gefühl, was wird ans dem Lande, an? der Stellung jedes einzelnen? Anerkennenddaher, wie kennzeichnend die Plan- und Kopflosigkeit der in der Ferne weilenden Regierung istder Brief dcS Grafen Münster an Georg V., in welchem es heißt:Eurer Majestät Staats-dicnerschaft benimmt sich musterhaft, ist dabei aber sich selbst überlassen und erhielt nicht diegeringste Aufmnnternng, nicht den leisesten Wink von Euerer Majestät Wünschen und Absichten."^)

Indessen häuften sich immer mehr und mehr die Sicgesnachrichtcn, auch von BöhmensGefilden drang Knude herüber, wie dem preußischen Hcldcnmnth österreichische Tapferkeit nichtStand gehalten habe. Mit überraschender Schnelligkeit standen die preußischen Bataillone nachKöniggrätz wenige Tagcmärsche von Wien. Schon am 2. August trat der am 28. Juli abge-schlossene Waffenstillstand in Kraft und am 3. October erschien das königliche Patent der Ein-verleibung Hannovers und seiner Schicksalsgenossen. Waren die Zeiten des Kriegszustandesdrückend und schwer für die Diener dcS Staates gewesen, so war der Ausgang des Kampfes,das nun entschiedene Loos Hannovers nicht minder niederdrückend. Agitationen im Innern,genährt durch den im Auslände lebenden König, strenge Maßregeln der neuen Regierung, Unlustund Widerwilligkeit der Bevölkerung machten den Beamten, welche König Georg V. ihres Eidesentbunden hatte, das Leben zu einem fast unerträglichen. Sie hatten mit dem Ucbcrtritt inpreußische Dienste neue Pflichten übernommen und kämpften in ihrem Innern einen steten Kampfzwischen Pflicht und Gefühl. Hinzu kam die große Arbeitslast, die neue Militairvcrfassnng,neue Verordnungen und Gesetze, die besonders einem ältcrn, mit den früheren Gesetzen eng ver-wachsenen Beamten schwer und mühsam erschienen und eine Zeit der strengsten Arbeit erforderten.Jugendliche Vorgesetzte, manchmal von rücksichtslosem Charakter, erschwerten dem Beamten, derzu hannoverscher Zeit ungemein selbständig und angeschn gewesen war, durch manche Acnßernngcnund tadelnde Bemerkungen das Leben. Auch der Amtmann Eggcrs zu Meinersen, trotzdem ihmgerade mehrfach von Seiten der Regierung lobende Anerkennungsschreiben über die Art seinerVerwaltung und seiner Arbeiten zu Thcil wurden, hat unendlich unter dem Druck gelitten. DieRücksicht für seine zahlreiche Familie, das Interesse für sein altes, ihm nn'S Herz gewachseneAmt, bewogen ihn, in treuer Pflichterfüllung auszuharren, wie schwer und mühevoll sein Lebenbei einem für nur einen Beamten fraglos zu umfangreichen Amte auch verlief. Die Neuorga-nisation hatte den Titel cincs Amtmanns in den eines AmtShanptmanns verändert (11. März 1868).

Da, als nach Verlans weniger Jahre die Verhältnisse begannen sich zu beruhigen, alsnach mühevolle» Jahren bessere Zeiten hcranszudämmcrn schienen und der Lohn für treues Aus-harren zu reifen begann, mußte welsche Tücke, die Beleidigung des greisen Monarchen zu EmsanfS Nene den Frieden stören und anfS Nene das Wohl der deutschen Lande auf des SchwertesSchärfe gestellt sein. Am 19. Juli wurde die französische Kriegserklärung in Berlin übergeben.

Brann-Wiesbaden, Leben des Grafen Münster, 3S5.