71
damals cxistirte, mußte ich durch die Erkrankung uud den Tod des Amtmauns Lepper, 14 Tageuach meiner Ankunft, sehr schwer getroffen werden. Nun lag die ganze Last allein mir ob.An Hülfe war nicht zu denken, ich mußte sehen, wie ich hindurch kam. Die Kraft der Jugendund Gottes Beistand hat mich glücklich hindurch geführt. Bald nach meiner Ankunft wurde eineWaarcnlicferung ausgeschrieben. Diese Einrichtung war mir glücklicherweise aus der Zeit derfranzösischen Occupatio,: bekannt, und erleichterte mir solches die Bearbeitung. Bei der Größedes Amtes Kalenberg war dazu immer ein besonderer Rechnungsführer vom Amtmann Leppcrgehalten, der dafür die mit dem Geschäfte verbundene Vergütung erhielt. Glücklicherweise er-mittelte ich einen früheren Verwalter des verstorbenen Amtmanns, der mit dem Geschäfte bekanntwar. Nun trat aber eine neue Last ein. Die gelieferten Früchte sollten der Armee bei Harburgund Hamburg zugeführt werden und zwar in verschiedenen Transporten, wozu Kriegsfällenbenutzt werden sollten. Ich mußte jedem Transport einen tüchtigen Führer beigeben. Ich erwähltedazu unter den Untcrbcdicnten des Amtes, Hohgräfcn und Vögten, soviel thunlich die Tüchtigstenund die Transporte gingen einer nach dem andern ab. Allein die HiobSpostcn blieben nichtlange ans, indem die Führer berichteten, sie hätten nicht weiter kommen können, weil die Kricgs-fnhrcn von den Acmtern ans der angewiesenen Route nicht gestellt wären; ein Transport warim Amte Bedcnbostel, der andere in einem andern Amte stehen geblieben, die Früchte verdürbenwegen des Regens u. s. w. Ich wandte mich an das Kriegs-Commissariat zu Hannover undendlich nach Monaten waren die Transporte an das Ziel gelangt.
Bald nach meiner Ankunft in Kalenberg trat nun auch die Verfügung wegen Errichtungder Landwehr ein. Die Listen der Pflichtigen sollten binnen wenigen Tagen eingeliefert werdenund erstreckten sich auf das Alter von 18 bis 40 Jahren. Bei der Größe des Amtes war eseine entsetzliche Arbeit. DaS Kontingent desselben betrug, soviel ich mich dessen erinnere, 480 Mann.Zu der Untersuchung der Pflichtigen hatten die Kommisfarien, Bürgermeister Zwicker, OberstFranz Alten und der Ur. Blnmenhagcn (der Dichter des damals sehr viel gelesenen Gedichts„Das Räthsel der Zeit", Napoleon nchmlich) zwei Tage bestimmt. Sic wurden in drei Tagenkaum fertig, ohngeachtet Abends 7 Uhr erst zu Mittag gegessen wurde und die Untersuchung warso wenig gründlich, daß ein Heer von Ncclamationcn vorkam, die mich zwangen, von Neuemgewissermaßen die Sache zu untersuchen. Endlich im Frühjahre 1814 kamen die Landwehr-Männer unter die Fahnen.
Das Amt mußte an die Bataillone Hameln, Springe, Hannover, Neustadt, HildeShcimMilitairpflichtigc liefern. Bald wurde dieser, bald jener ausgeschossen, und es sollten Ersatz-männer geliefert werden. Da dergleichen nicht vorhanden waren, so mußte unter den Verzeich-neten Nachlese gehalten werden. ES kam daher vor, daß ein Bataillon Leute annahm, die einanderes schon auSgcschossen hatte. Trotz der ungeheuren Beschäftigung fand ich doch dann undwann ein paar Tage heraus, um meine thcnre Gattin in Nienburg zu sehen und unS gemein-schaftlich unscrS Erstgeborenen zu erfreuen. Indessen war die Arbeit enorm und auf die Längehätte ich dieselbe dock nicht aushalten können. Es war in dieser geschästsreichcn Zeit, daß micheinst beim Zubcttcgehcn der Schlaf so schnell ereilt hatte, daß ich das auf einem Stuhle vormeinem Bette stehende Licht auszulöschen vergessen hatte. In der Nacht wachte ich durch einegnädige Fügung des Himmels auf und fand mein Schlafgemach ganz mit Ranch angefüllt; ichsprang sogleich aus dem Bette, ergriff das mit Wasser angefüllte Waschbecken und löschte dasFeuer. Meine Strümpfe waren verbrannt, glücklicherweise aber das Bett vom Feuer noch nichtergriffen. Solche Begebenheiten vergißt man nie, wenn man auch ein hohes Alter erreicht.Ein fürchterlicher Tod wäre mein Loos gewesen, wenn Gott mich nicht so wunderbar gerettet