Druckschrift 
1 (1879)
Entstehung
Seite
69
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Mensch, ein Landsmann des Präfcctcn zu Bremen und mit demselben gemeinschaftlich Erpressungender Art vornehmend, um den Raub dann zu theilcn, mit jenem Ansuchen hervortrat, hatte er michzu sich entboten und mir eine Resolution des vorhin gedachten Präfcctcn eröffnet, wonach vondem Transporte nach Bremen abgestanden wurde. Zugleich machte er mir bekannt, das; dieGeißeln, welche für die Ruhe haften sollten, aus drei Klassen genommen wären, nehmlich ansdem Stande der Gelehrten, demjenigen der Wohlhabenden und Neichen und aus der Zahl dermal not^s, mit dem Beifügen, daß ich zu den Letztern gehöre. Die Meinung sei, daß ich ander Spitze von Unzufriedenen stehe. Veranlassung hierzu hatte, wie ich später mit ziemlicherGewißheit erfuhr, gegeben, daß ich mit einer Zahl genauerer Freunde die Feier des Geburtstagesuuserer angestammten Königin, der GemahlinGeorgs III., am 18. Januar durch ein Gastmahlverabredet hatte. Meine Freunde waren so unvorsichtig gewesen, dazu auch zwei Personen, mitdenen sie bekannt waren, den Maire Hasse zu Westen und dessen Bruder den Dr. Hasse (beidekeine Hannoveraner), die gerade an dem Tage in Nienburg waren, zuzuziehen. Der Vorwand,daß mein Geburtstag gefeiert werde, sollte die Feier beschönigen. Bei Tisch wurde meine Ge-sundheit nicht nur, sondern auch diejenige meiner „Frau Mutter" ausgebracht. Letztcrc solltedie Königin von England sein, was jedem meiner Freunde bekannt war. Durch die BrüderHasse war die Sache dem Präfcctcn, vielleicht auch dem Procureur Mcrcks angezeigt, wie damalsallgemein von uns vcrmnthet wurde. Die Folge der ausgesprochenen Maßregel war, daß ichdie Stadt Nienburg nicht verlassen durfte, ohne zuvor die Erlaubniß des Kommandanten derGensdarmcric dazu erhalten zu haben.

Wie sehr der Präfcct mit dem Procureur unter einer Decke spielte, ergab sich auch nochspäter, als Napoleon nach seiner Rückkehr ans Rußland von neuem rüstete und ein Dccret wegenBildung einer Ehrcngarde, die stets in der Nähe des Kaisers sein sollte, erließ. Bei der Bil-dung dieser Garde war bestimmt, daß dieselbe ans der Klasse der Wohlhabenden stattfinden sollte,ohne Rücksicht darauf, ob dieselben schon ihrer Militnirpslicht durch Stellvertretung genügt hätten.Eine Stellvertretung sollte bei Heranziehung zu dieser Ehrcngarde überallnicht stattfinden. Auch mein ältester Schwager, der noch in Altona lebt, wurde als Mitgliedder Ehrengarde bezeichnet. Er hatte bereits durch einen Stellvertreter, den er für 8(X) Thlr.gekauft hatte, seiner Militairpflicht genügt. Der Stellvertreter war in Rußland geblieben.Ohngcachtct der obigen Bestimmung wurde es durch Unterhandlung mit dem famöscn Procureur,der ohne Zweifel mit dem Präfecten in Bremen darin übereinkam, eingerichtet, daß ein jungerNiann, der sich ebenfalls Bollmcher nannte, für ihn in die Ehrcngarde trat; nach seinen Ver-mögcnSvcrhältnissen eignete er sich nicht dazu. Mir ist nicht mehr erinnerlich, wie viel er fürdie Stellvertretung erhielt, der Procureur aber erhielt, wenn ich nicht sehr irre, für die bemerkteVergünstigung LDD THlr., wovon er die Hälfte wahrscheinlich dem Präfcctcn hat zufließen lassen.

Jene Zeit war eine gräßliche, schreckliche, die hoffentlich nicht wieder über Deutschlandkommen wird, wenn es einig bleibt. Der Druck war kaum zu ertragen. Endlich zeigte sichim Frühjahre 1813 die Morgcnröthe der Befreiung von diesem Joche. Tettenborn war miteiner Abthcilnng russischer Truppen bis Hamburg vorgedrungen. Dieses war daS Signal fürdie in den damaligen hanseatischen Departements befindlichen französischen Angestellten, dieseGegend zu verlassen. Auch die in Nienburg angestellten Franzosen und unter ihnen der fainöseProcureur brachen ans. Sie wurden aber thcilwcise von den Bewohnern des Landes auf ihrerReise angefallen und ausgeplündert. Solches Schicksal hatte der Douancn Recevcnr zu Nienburg

Sophia Charlotte von Mecklenburg. Strelitz, f 1818.