benebelte. Er hatte einen Gchülfen, dessen er auch bei völliger Gcschäftstüchtigkcit in dem großenAmte von mehr als 25,000 Einwohnern bedurft hätte, dem alle Geschäfte auflagen, der aberdoch bei allem Fleißc den vielen Geschäften nicht gewachsen sein mochte, weil er schwächlich war.DaS Amt Kalenberg stand damals in sehr schlechtem Rufe, und als die westfälische Verfassungim Jahre 1310 eintrat, wurde keiner der Beamten zu einer neuen Anstellung befördert, mitAusnahme des AmtSschrciberS Flügge, dcö 4. Beamten und des Amtsschreibers Conradcs, desletzteren, weil er unter der Ehrengardc sich befunden hatte, von der König Jcrümc in Hannoverempfangen war. Die beiden ältesten Beamten, Leppcr und Bansen, hatten sich nicht um An-stellung beworben, Lndowig, der Justizbcamte, war wohl wegen des Trinkens übergangen. Wasgegen dessen Gehttlfen Wichmann zu erinnern gewesen war, weiß ich nicht. Daß ich zum Friedens-richter zu Münder bestimmt war, hatte der westfälische Finanzministcr Gras Bülow meinem Vaterselbst gesagt. Später hatte jedoch der Bürgermeister Domcyer zu Hameln beim Minister Simeonbewirkt, daß er dahin gekommen war. Ich mußte mich daher nach einem andern Unterkommenumsehen. Mir wurden nacheinander verschiedene Stellen angeboten, so die Stelle eines tiominisKroklior beim Civil-Tribnnal zn Celle, eines 1. Burcanchcfs bei dem Präsidenten von Bülowzu Heiligenstadt. Ich hatte zn Beiden keine Neigung und suchte eine möglichst unabhängigeStellung, die mich mit der damaligen Regierung möglichst wenig in Berührung bringen möchte,weil ich zuversichtlich erwartete, daß dieselbe nicht lange bestehen würde. Ich gab daher derAnstellung als DistrietS - Notar zn Nienburg den Vorzug und reiste dahin gegen Ende desJahreS 1810 ab. Dieser Schritt hat einen erheblichen Einfluß ans mein Leben gehabt, indemich dort meine thencre Gattin^) kennen lernte und am 3. September 1812 mich mit ihr ver-heirathctc.
Während der ersten Zeit meines Aufenthalts zu Nienburg fand ich bei dem Notariatmein Auskommen nicht, später, besonders im Jahre 1811, jedoch reichlich, im Jahre 1813 abernahmen die Geschäfte wieder ab, weil die Zeit der Befreiung nahte und daö Publikum derartigeGeschäfte möglichst beschränkte. Im Jahre 1813, in dessen ersten Monaten, hatte ich auch dasUnglück, der französischen geheimen Polizei in die Hände zu fallen. Tic damaligen Zuständeder französischen Herrschaft waren schon von der Art, daß, um sie in Deutschland halten znkönnen, zn außerordentlichen Maßregeln geschritten werden mußte. Die hin und wieder inHamburg, im Bremischen u. s. w. stattgcfundcncn Aufstände mußten dem Kaiser der Franzosenwohl sagen, daß er zu solchen Maßregeln schreiten müßte, wenn er dem Hange zur Befreiungvon dem unerträglich gewordenen Joche Grenzen setzen wollte. Eine solcher Maßregeln bestanddarin, daß die Aushebung von Geißeln, die für die Stimmung ihrer Mitbürger haften sollten,angeordnet wurde. Auch ich wurde dazu anöersehen. Als ich das Nescript des Prüfcctcn überdiesen Gegenstand erhielt, (ich habe es mehrere Jahre besessen, leider aber noch während meinesAufenthalts in Celle zerrissen) war ich nicht wenig erschrocken. Die Geißeln sollten nach Bremengebracht werden, was theilweisc auch geschehen ist. In Folge der Verwendung eines Freundesbei dem Prvcurenr des Civil-Tribunals zu Nienburg unterblieb es jedoch. Jener Procnrcur hingnchmlich mit dem Präsidenten in Bremen zusammen und hatte mich wahrscheinlich in dicse.Lagegebracht, um mich behufs seiner Geldbedürfnisse zn benutzen. Es kostete auch die Befreiungvom Transporte nach Bremen 20 Pistolen und eine Quantität Wein, die jenes Snbject vonmir lieh, ohne jemals an die Erstattung gedacht, noch weniger sie beschafft zu haben. Ehe dieser
Anna Justine Friederike Vollmeyer, Tochter des Kaufmanns Bollmcyer und seiner Gemahlin,einer Tochter des Pastor Lange, geboren zu Nienburg am 22. Januar 179S.