die, in den schriftlichen Verkehr und den Buchdruckeindringend und allmählich immer tiefer in die Gebiete desniederdeutschen Dialekts übergreifend, sich zu einer obersäch-sischen Schriftsprache entwickelte. Im Laufe desselben Jahr-hunderts gelangte die kaiserliche Kanzleisprache „als rechtesgemeines Deutsch", mit der Ausbreitung der Buchdruckerkunstgleichen Schritt haltend, in weitern Kreisen zur Anwendung.Die zur Regel erhobene Ausfertigung der Reichsabschiededurch die kaiserliehe Kanzlei, die Einsetzung eines allgemei-nen Obergerichts, die Errichtung eines ständigen Reichs-regiments waren geeignet, diese Sprache zu befestigen undihr ein bestimmtes Gepräge zu geben. Unter Maximilian hatdie Reichssprache nicht nur neues Gebiet erobert, wir sehenauch, wie die sächsische Sprache sich der kaiserlichen nähert.Eine Sprache der Litteratur war das neuhochdeutsche Idiomnoch nicht, während das niederdeutsche und das alemannischeam Oberrhein nicht nur eine lebendigere Fülle alten Sprach-gutes bewahrt, sondern auch eine reich entfaltete Litteraturaufzuweisen hatten. Die Gefahr, dass im Südwesten die hei-mische Mundart als Schriftsprache sich behauptete, war vordem Eintritt der religiösen Bewegung noch nicht abgewandt. n )Beide Richtungen der Gemeinsprache in ein gemeinsamesBett zu leiten, die abgeschliffene Form mit reicherem Gehaltzu füllen und zu einem Gemeingut aller Deutschen zu machen,konnte nur durch eine Bewegung gelingen, die durch einideales Interesse die Schranken der engern Heimat durch-brach und die ganze Nation bis in die Tiefen aufregte. DieserZeitpunkt war gekommen, als, von dem Verlauf der politischenReformbewegung unbefriedigt, sich die Energie der Deutschenim Anfange des 16. Jahrhunderts auf das religiöse Gebietwarf'. Der Mann, der den innersten Empfindungen des Volkesmachtvollen Ausdruck zu verleihen wusste, bediente sich inseinen Predigten und Schriften der obersächsischen Mundart,die weit über ihre Grenzen hinaus verständlich war und vonihm mit Recht „als gemeinste deutsche Sprache" bezeichnetwerden konnte. Ein sprachschöpferisches Talent ohne gleichenhat er das Neuhochdeutsche aus dem Schatze der Mundartenvervollkommnet. Dasselbe zu einer wirklichen Litteratursprache
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