Druckschrift 
Partikularismus und Einheit der Deutschen Nation
Entstehung
Seite
15
Einzelbild herunterladen
 

Regierung Albrechts 11. liegt, erscheinen die Stände als derführende Teil. Erst nach dem Tode Friedrichs III., andessen Zähigkeit alle Reformversuche gescheitert waren, kamman zu einem Abschluss; man fand die Formen, die sowohldie Wehrfähigkeit des Reichs erhöhten als auch die Aufrecht-haltung des Rechtes ermöglichten. Der ewige Landfrieden,das Kammergericht, der gemeine Pfennig und die jährlich zu-sammentretende Versammlung der Reichsstände machten eineGrundlage aus, auf der Kaiser und Fürsten sich zu gemein-samer nationaler Arbeit hätte zusammenlinden können. 10 )

Aber der Kaiser, der unter dem Drucke der auswärtigenNot die Vorschläge der Stände angenommen hatte, war weitdavon entfernt, sich den neuen Zuständen aufrichtig anzu-schliessen. So konnten dieselben keinen rechten Bestandgewinnen. Aber eine unbefangene Betrachtung wird nichtverkennen, dass die Einrichtungen, die sich dauernd erhiel-ten, das Kammergericht und die Reichskreise, zur Stärkungdes nationalen Bewusstseins erheblich beigetragen haben. Esist für den Historiker eine anziehende Aufgabe, sich indie Gedanken und Absichten der patriotischen Männer zuvertiefen, die seit den Tagen Albrechts II. ihre Kraft undMittel daran setzten, den Schwerpunkt der Verwaltung desReichs von neuem in den Mittelpunkt desselben zu verlegen.Sieht man erst, wie mit den politischen Reformversuchen dieErneuerung des geistigen Lebens durch den Humanismus unddie Ausbildung einer gemeinen deutschen Sprache Hand inHand gehen, wie geistige Strömungen von verschiedenenRichtungen her ineinandergreifen, so wird man gestehen, dasseiner Belebung des nationalen Sinnes und der Begründung einerneuen Einheit die Zeit um den Ausgang des 15. und den Anfangdes 16. Jahrhunderts äusserst günstig war. Noch unterKarl IV. gelangte in der Kanzlei der Luxemburger in Pragdie Hofsprache zu einer gewissen Ausbildung, überschritt dieRänder des böhmischen Gebirgslandes und fasste zunächstin Schlesien und Meissen festen Fuss. Unter ihrer Einwir-kung kam es in Meissen um die Mitte des 15. Jahr-hunderts, in Thüringen einige Jahrzehnte später zu einerfolgereichen Umgestaltung der mitteldeutscjien Kanzleisprache,