Wohl kein anderer Unterrichtsgegenstand hat in den ersten 50 Jahrendes Bestehens unserer Schule so viele Wandlungen durchzumachen gehabtals das Turnen.
Zu der Zeit, da die Realschule entstand, waren jene Anschauungen,die 1819 zur Überwachung und 1820 zum Verbot des Turnens führten,bereits freundlicheren Auffassungen über die Bedeutung der Leibes-übungen gewichen. Wie später Amtsrichter Hartwich, so führte imJahre 1837 ein Arzt, vr. Lorinser, durch seine Schrift: „Zum Schutzder Gesundheit in den Schulen" eine lebhafte Erörterung zu gunstendes Schulturnens herbei, die den Erfolg hatte, daß vom Ministeriumdie Einführung der Leibesübungen an den höheren Knabenschulengestattet, die Teilnahme daran jedoch dem Ermessen der Eltern anheim-gestellt wurde.
So konnte denn gleich die junge Anstalt auch die Pflege derkörperliche» Ausbildung ins Auge fassen! aber zu deren Verwirklichungkam es vorläufig noch nicht, weil mancherlei Hindernisse zu überwindenwaren. Zunächst fehlte ein Turnplatz und als Ersatz für die Leibes-übungen wurden in reichlichem Maße botanische Wanderungen vor-genommen. Als es später gestattet wurde, den' Hof des KöniglichenGymnasiums zum Turnen zu benutzen und so die Platzfrage zu regeln,fehlte es an einem geeigneten Lehrer; dieser ward in der Person desLeutnants a. D. Walter gefunden, welcher im Sommer 1841 mit50 Freiwilligen den ersten Turnbetrieb einrichtete. Im folgenden Jahrewar aber das Häuflein schon auf 30 zusammengeschmolzen und imSommer 1843 mußte das Turnen ganz unterbleiben, weil die Zahlder Teilnehmer gar zu gering war. Doch zu jener Zeit kam ein wirk-samer Anstoß, das Turnen nicht gänzlich fallen zu lassen, von denBehörden. Die Minister des Krieges, des Innern und der Unterrichts-
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