höheren Unterrichtsanstalten keinen entsprechenden Ausdruck gefunden, daihreZahl seit 1848 sich nur verdoppelt hat, während diejenige der evange-lischen sich verfünffachte. Bedenken wir nun ferner, daß bei dieser Be-rechnung jetzt eine viel längere Schuldauer zu gründe liegt (bei derRealschule 8 Jahre Vorschule, 9 Jahre Realschule, also im ganzen12 Jahre statt 6 Jahre), so schrumpft die Zunahme der katholischenSchüler fast ganz zusammen. Die Ursache liegt aber nicht etwa in einerAbneigung der katholischen Bevölkerung gegen die drei hiesigen Anstalten,sondern in den genannten materiellen Verhältnissen. Die Ver-mehrung der katholischen Schüler macht sich in den Elementarschulengeltend, und das um so nachdrücklicher, als diese selber wesentlichbesser geworden, während die höhern Anstalten in dem Anstreben derBerechtigungen eine immer größere Kursusdauer sich gefalleil lassenmußten und damit den weniger Bemittelten immer unzugänglicher wurden.Dieser Umstand macht sich weniger bei den Evangelischen geltend.Die Mittel der zuziehenden evangelischen Rentner und Industriellenreichen meist weiter, und auch die zahlreichen evangelischen Beamtenhaben ein begreifliches Interesse, die höheren Anstalten trotz der Kosten fürihre Kinder zu benutzen, besonders ein Gymnasium, das denselben beimAbgang den weitesten Spielraum gewährt. Dieses Interesse machte sichschon 1864 geltend, als die evangelische Gemeinde daran gehen wollte,aus eigenen Mitteln ein Gymnasium einzurichten. Den Beweis für dieLebensfähigkeit eines evangelischen Progymnasiums erklärte der Ober-kirchenrat in einem Schreiben an das hiesige Presbyterium schonam 1. August 1860 dadurch „erbracht, daß eine beinahe großstädtischeBevölkerung von 10 000 Seelen bereits vorhanden sei". Die evan-gelische Gemeinde ging aber weiter und entwarf im Mai 1864 denPlan zur Gründung eines vollständigen Gymnasiums. Audere Auf-gabe» (Kirchenbau), vielleicht auch die Abneigung der höheren Schul-behörden, eine ausschließlich evangelische Anstalt begründen zu helfen,hinderten die Ausführung des Planes. Indes begreift man. leicht,daß die inzwischen auf 30 000 Seelen angewachsene evangelischeBevölkerung die Umwandlung der Realschule in ein Gymnasium injeder Weise gern sieht und diesem mit Vorliebe ihre Kinder zuschickt.(S. Plan 2.)
So ist denn, um es kurz zusammenzufassen, die Realschule, welcheursprünglich den gewerblichen Interessen dienen sollte, mehr oderweniger ein humanistisches Gymnasium geworden. Die Steigerung