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Düsseldorf ist jetzt wirklich eine große Stadt geworden und zwar inerster Linie durch Industrie und Handel. Nicht die vielen Behörden,auch nicht die zahlreichen Künstler, so sehr sie gesellig das Lebenbeherrschen, sondern Handel und Gewerbe haben der Stadt das Geprägegegeben und die großartige Entwicklung derselben herbeigeführt. Mansollte nun annehmen, daß dein entsprechend auch das Schulwesen dieserRichtung gefolgt sei, und daß namentlich die Realschule nach denBedürfnissen der Gewerbe sich entwickelt habe. Das Umgekehrte istaher der Fall gewesen. Die Anstalt hat sich, je länger um so mehr,dem Lehrplane des humanistischen Gymnasiums genähert. Unddoch ist dieser Gang der Dinge nicht die Folge irgend welchen Zufallsund ebensowenig auf die Vorliebe irgend eines Direktors zurückzuführen.Als 1882 Kirchner kam, war der letzte entscheidende Schritt bereitsgeschehen, und seine Vorgänger hatten sämtlich andere Ziele als dieBegründung eines Gymnasiums. Die Verhältnisse sind eben stärkergewesen als die ursprünglichen Absichten und die jeweiligen Meinungen.Auch der damalige Vorsitzende des Kuratoriums würde seiner Vorliebefür das Gymnasium schwerlich nachgegeben haben, wenn nicht die that-sächlichen Umstände nach dieser Richtung hingedrängt hätten. Die seit 1872so plötzlich abnehmende Schülerzahl (von 485 Schülern auf 364) zeigtedeutlich, daß die Bedürfnisse der Stadt nach einer andern Schulegerichtet waren, und daß die Realschule Gefahr lief, zwischen dem raschwachsenden Gymnasium auf der einen Seite und der immer mehrzur Anerkennung kommenden höheren Bürgerschule auf der andernnach und nach fast alle ihre Schüler zu verlieren. Und das geschahin einer Zeit, in der die städtische Bevölkerung in nie dagewesenerWeise sich mehrte! Die Stadt hätte unter diesen Umständen gar keineandere Wahl gehabt, als vielleicht ein zweites Gymnasium zu begründenund so die Entvölkerung der Realschule noch selber beschleunigenmüssen. Andrerseits hatten die „Berechtigungen" die Realschule schonlängst immer weiter nach der Seite des humanistischen Gymnasiumshingedrängt, die Ansprüche an die Schuldauer, an die Leistungender Abiturienten w. waren mindestens so groß wie bei diesem, sodaß der thatsächliche Uebergang zu seinem Lehrplan keine großenSchwierigkeiten mehr machte, und das Endresultat ist jetzt, daß das50jährige „Bestehen" einer Anstalt gefeiert wird, deren eine Hälfteein humanistisches Gymnasium geworden und deren andere kein Real-gymnasium mehr ist. Denn bekanntlich haben nach den betreffenden