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Hundert Jahre einer Freiburger Professoren-Familie : biographische Aufzeichnungen
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Da ich die Baupläne alle genau im Kopf hatte, im Baue»aber selbst noch ganz unerfahren war, so gieng es mir mitder Umsetzung der Pläne in die Wirklichkeit, d. i. mit derErreichung des Zieles, nach welchem ich 16 Jahre lang unablässiggestrebt, viel zu langsam und es kam eine fast jugendliche Un-geduld über mich, für die es sehr heilsam war, daß iu diesemSommer auch noch Anderes die Aufmerksamkeit in Anspruchnahm, die Politik. Der Umwandlungsprozeß, den so vieleDeutsche zu dieser Zeit durchmachen mußten, das Sichumdenkenaus einem Großdeutschen iu einen Kleindeutschen blieb auch mirnicht erspart und daß er sich so rasch vollzog, das danken wirAlle den unerwarteten Erfolgen des neuen Deutschland so wiees unser großer Kanzler ersaßt einerseits und dem wenig rühm-lichen Zusammenbruch des alten anderseits.

Im Sommer 1867 fand der Umzug in das neue Gebäudestatt. Ein genauer Plan für die Ausstellung der Kasten fürdie Sammlungen und ihres Inhaltes, für die Aufstellung dergroßen Skelete :c. war schon vorher ausgearbeitet, wobei ichmich der werthvollen Hilft von Ur. Ziegler zu erfreuen hatte,so daß die neue Ausstellung ohne allen Zeitverlust erfolgen konnte.

Ich hatte nun erreicht, wonach ich so lange gestrebt. Ander geliebten Hochschule meiner Vaterstadt die Professur derAnatomie und vergleichenden Anatomie, meiner Lieblingsfächermir übertragen, die Direktion der beiden betr. Sammlungenin meiner Hand und unter einem Dach vereinigt. Ueberdachtcich dies, so geschah es wohl bisweilen, daß etwas von derantiken Angst über mich kam als müßte das den Neid derGottheit erwecken und könne nicht Stand halten. Was michdabei einigermaßen wieder beruhigte, war einmal die Ueber-zeugung, daß die nunmehr bestehende Ordnung der Dinge, diemich persönlich so sehr befriedigte, zugleich auch die den Interessenunserer Universität am meisten entsprechende sei und weiterhindie Erwägung, daß immerhin noch genug zu thun übrig bleibe,da die fortschreitende Wissenschaft immer neue Aufgaben stellt.