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tragen. Zur Erholung besuchte ich im September mit Frauund Tochter die Natursorschervcrsammluug in Karlsruhe.
Das Interessanteste, was mir dieseNatursorscherversammlungbot, war die persönliche Bekanntschaft von C. E. v. Baer.
Wahrend ich sonst schon öfters erfahren hatte, daß Gelehrte,die ich nach ihren Schriften hochschätzen gelernt, bei nachheriger per-sönlicher Bekanntschaft verloren, war hier gerade das Umgekehrteder Fall. „In dem Mann ist Alles Geist" sagte damals ein be-kannter Forscher und diesen Eindruck erhielt auch ich. Er wardamals 66 Jahre alt und trotz anscheinender körperlicher Hin-fälligkeit und etwas mumienhaften Ansehens von einer in Er-staunen setzenden Frische und wissenschaftlichen Regsamkeit undes muß in dem Mann in der That damals und noch vielspäter ein gewaltiges Gefühl des Könnens gelebt haben, wenner noch, wie mir später erzählt wurde, in seinem 8V. Lebens-jahre (er starb im Jahre 1876, 84 Jahre alt) scherzweiseäußerte, er sei noch keineswegs überzeugt, daß er sterben werde.Es seien zwar bisher, soviel bekannt, alle Menschen gestorben,allein der Satz- „Alle Menschen müssen sterben" besage eigent-lich doch zuviel und dürfte eigentlich nur lauten- Alle Menschensind bisher gestorben; denn es sei nur ein Erfahrungssatz, derdurch einen anderen umgestoßen werden könne, kein Axiom, fürdas eine innere Nothwendigkeit vorliege. Damals war ausBaer, dem früheren Embryologen und Zootomen schon längstBaer, der Anthropologe und Geograph geworden und es wardaher natürlich die Anthropologie der Gegenstand unserer Ge-spräche. Es ist mir noch sehr erinnerlich, wie ein Gegenstandnach einer Besprechung mit ihm mir oft in ganz anderen Licht,ich möchte sagen wahrhaft durchleuchtet erschien. Nicht etwa,daß einzelne Geistesblitze denselben momentan und von einerSeite beleuchtet hätten, im Gegentheil, er wußte sofort alledunkeln Stellen, alle „wenn" und „aber" hervorzuheben, denKern herauszuschälen und daraus die richtige Fragestellung zubauen, und das ist ja bekanntlich in der Natursorschnng das