Druckschrift 
Hundert Jahre einer Freiburger Professoren-Familie : biographische Aufzeichnungen
Seite
115
Einzelbild herunterladen
 

- 115 —

auf die Erfüllung meiner Wünsche eingieng, so ward es mirauch in dieser Hinsicht leicht gemacht, meiner Neigung zu folgenund zu bleiben. Und daß die akademische Jugend meinenEntschluß billigte, bewies mir der solenne Fackelzug, den mirdie Studentenschaft am 26. Februar brachte.

19. Erwünschter Wechsel der Lehrfächer. Die anthropologischenStndien treten in den Vordergrund. 4(W jähriges Univcrsitäts-Jnbiläum 1857.

In diesem Jahre trat eine Veränderung ein in der Ver-theilnng der Lehrfächer an hiesiger Universität, die meinen längstgehegten Wünschen entsprach. Die Profcssur der Anatomie warnach dem Weggang Arnold's nach Tübingen im Jahr 1845dem bisherigen Prosector vr. Kobelt übertragen worden, währendzugleich für Physiologie, Zoologie und vergleichende AnatomieSiebold von Erlangen berufen wurde. Im Sommer 1857starb nach langer Krankheit Professor Kobelt und ineinenWünschen entsprechend wurde mir die Professur der Anatomieübertragen, dagegen die der Physiologie und Zoologie abge-nommen, welche nunmehr an Professor Meißner in Basel über-gicngen. Die vergleichende Anatomie behielt ich neben derAnatomie. Damit waren zwei Wünsche von mir erfüllt. SeitJahren war es mir immer mehr fühlbar geworden, daß mir,um bei der heutigen Richtung der Physiologie selbstthätig weiterzu arbeiten, die genügende mathematische Ausbildung fehleund ich begann daher die Pflicht der Vertretung dieses Fachsnur mehr als eine Last zu empfinden.

Kaum weniger als über die Abnahme dieser Last War ichdarüber erfreut, daß nunmehr das Hauptfach der morphologischenDisciplinen, die Anatomie des Menschen, meinen Händen an-vertraut, und ich nun wieder in die alte, mir allein zusagendeBahn eingetreten war. Nun konnte ich mich wieder, meinerNeigung entsprechend, ungehindert morphologischen Studien hin-

8*