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Hundert Jahre einer Freiburger Professoren-Familie : biographische Aufzeichnungen
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kleine Anna schlief nach dem ermüdenden Tage ganz ruhig undes fielen mir Hebcl's Worte ein

„cs denkt, das ficht Ml wenig a"

„er wird jo d'Auge binem ha".

Da sie die Gattin eines Militärs Wierde und mancherleiWanderungen durchzumachen hatte, so ist ihr diese frühzeitigeUebung vielleicht recht zu gute gekommen. ^ Bei Kaltenherbergbegegneten wir dann den Hessen, bei denen sich, wie ich hörte,auch General von Gagcrn befand, der Wohl nicht ahnte, daßdies sein letzter Marsch sei. Von den Insurgenten bekamenwir nichts zu Gesicht. An der Schweizergrenze erschallte ein„Wer da" und der wachthabende Offizier inspicirtc denWagen, was aber meine Kleine wenig kümmerte.

Bei der Ankunft in Basel wurde der Postwagen sofortvon einer Menge harrender Revolutionäre umringt, die schonSiegcsnachrichten der ihrigen zu erhalten hofften, und sehr ent-täuscht waren, zu erfahren, daß die Republik in Offenburg vorder Geburt verstorben sei. Erst Nachts 1 Uhr kam ich zuHause an, wo wir sehnlichst erwartet waren.

Am folgenden Tage (Gründonnerstag 20. April) umMittag traf in Basel die Nachricht ein, daß am Morgen diesesTages ein Gefecht bei Kandern stattgefunden habe, in welchemGeneral von Gagcrn gefallen sei. Ich kann nicht sagen, wieschmerzlich mich diese Nachricht berührte. Nicht nur war ich derallgemeinen Ansicht, daß dieser Mann für uns von unschätz-barem Werth sei — denn in Süddeutschland waren wir da-mals arm an Generälen — der Reisegefährte vom Tag vorherhatte auch durch seine edle Persönlichkeit sowohl als durch seineSorgfalt für seine Soldaten mein ganzes Herz gewonnen undandererseits schmerzte es mich, daß Deutsche gegen einen deutschenGeneral solchen Berrath üben konnten.

Inzwischen war in Freibnrg die Kugel üfis Rollen gekommen,und das Drama näherte sich mit Riesenschritten seinem Abschluß.Samstag, den 22. April, fand eine große Volksversammlung