Dieses „geheime Gesetz" der Einheit in der Mannigfaltig-keit selber zu ergründen, ist, was dem jugendlichen GeisteNahrung giebt und ich erinnere mich sehr Wohl, welche Freudees mir gewährte, wenn ich an einem Thierschädel die Knochenoder Knochentheile nachweisen konnte, die ich am Menschen-Schädel kennen gelernt hatte oder wenn ich an einem solchen,den ich in einem Beinhaus der Umgebung erobert hatte, irgendeine Abweichung von dem „Gesetz" wie es im Text oder inder Vorlesung gegeben war, auffand. Es ist sicher, daß sichdas Bild der menschlichen Formen eines Knochens in seinerEigenthümlichkeit dem Sinn viel besser einprägt, wenn derSchüler andere thierische Formen damit hat vergleichen können,als wenn er das erstere allein gesehen. Ich möchte es dahersehr empfehlen, daß auch heutzutage die Verfasser von Hand-büchern, insbesondere der Ofteologie, dem Beispiele von Blumen-bach folgen und sich dessen Methode zu Nutzen machen, da ich überzeugt bin, daß dies zur Belebung des wissenschaftlichen Sinnesder Studierenden wesentlich beitragen, zum Selbstsehen undSelbstprüsen anregen wird.
Daneben kamen auch praktisch-anatomische Beschäftigungenan die Reihe. Ein älterer Chirurg, der meinem Vater oftassistirte, und der zugleich ein leidenschaftlicher Jäger war,hatte sich aus Liebhaberei, die ihm Wohl noch von den Studien-jahren anhaftete, eine Reihe äußerst sauberer Skelette vonMäusen, Eichhörnchen, Vögeln, Fischen n. angefertigt, die inmir den Wunsch rege machten, ähnliche zu besitzen und selbstanzufertigen.
Hiezu gab er mir auch, wenigstens für die Besorgungder ersten gröberen Arbeit, ein bequemes und insbesonderesauberes Mittel an, nemlich das Einlegen der kleinen Cadaverin Ameisenhaufen, das natürlich sofort mit allem Eifer in An-wendung gesetzt wurde. Leider aber vergaß mein Rathgeber,mir zugleich auch die nöthigen Cautelen mitzutheilcn und sofand ich wiederholt zu meinem großen Schrecken, wenn ich nach-