es möglich, daß cine persönliche Liebhaberei mich hierin zu einerirrigen Annahme verleitet hat.
Von jeher habe ich nämlich biographische Aufzeichnungenaus dem Leben von Gelehrten, Aerzten, akademischen Lehrernmit besonderer Vorliebe gelesen und zwar auch, wenn die Män-ner von keineswegs ungewöhnlicher Bedeutung und die Lebens-bahnen derselben keine besonders merkwürdigen waren; es schienmir sogar oft, daß man aus einem — sei es durch Glückoder Verdienst oder beides — durchaus wvhlgelungenen Lebens-lauf oft weniger lerne als aus einem mannigfach mit Jrrthtt-mern durchsetzten. Und das führt mich zu einem weiterenMotiv der Veröffentlichung, das ich mit zwei bekannten Aus-sprüchen von Göthc einführen möchte. Der eine derselben lautet:
Es ließe sich alles trefflich schlichtenKönnte man die Sachen zweimal verrichten.
der zweite, den Göthe einer anderen Person in den Mund legt,spricht aus, die Erfahrung sei nichts anderes, als daß man„erfährt, was man nicht zu erfahren wünscht."
Bei der Kürze des individuellen Lebens ist es wohl kaumje Einem vergönnt, cine selbst nur kurze Strecke seiner Laufbahn,aus der er vielleicht cineu falschen Weg eingeschlagen, nochmalszu durchlaufen und so „die Sachen zweimal zu verrichten",indem man die „Erfahrung" im vbgenanntcn Sinn verwerthet.Wohl aber kann diese „Erfahrung" vielleicht einem Andern,der gleiche Bahnen wandelt, nützen.
Und wer über eine 42jährige Laufbahn als akademischerLehrer berichten kann, und dies wahrheitsgetreu und ohneSelbstbespiegelung thut, ist vielleicht doch im Stande, jüngerenGenossen einen solchen Dienst zu leisten. Von diesem Stand-punkte insbesondere wünschte ich, daß man die kleine Skizzebeurtheilen möchte.
Alexander Ecker.